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Revolutionäre: (von rechts) Henning Hartmann, Beatrice Frey, Jonas Steglich, Lisa Natalie Arnold und Wolf List sind „Die Gerechten“

Revolutionäre: (von rechts) Henning Hartmann, Beatrice Frey, Jonas Steglich, Lisa Natalie Arnold und Wolf List sind „Die Gerechten“
© Karl-Bernd Karwasz

Bühne

Revolutionstheater in Cumberland

Heiligt der Zweck alle Mittel? Gibt es guten und schlechten Terror? Wie steht es mit der Moral? Und sind „Die Gerechten“, die dem Drama von Albert Camus den Titel gegeben haben, vielleicht eher die Selbstgerechten? Um diese Fragen kreist eine neue Inszenierung in der Cumberlandschen Bühne.

Hannover. Fünf Menschen planen ein Bombenattentat auf den russischen Großfürsten. Über ihr Ziel sind sie sich einig, über die Motive nicht. Stepan etwa hinterfragt seine Gewalt nie, im Gegensatz zum „Poeten“ Iwan. Dora bringt schon mal den Begriff der Zärtlichkeit ins Spiel, Boris denjenigen der Unendlichkeit im Irdischen, mit dem wiederum Alexej nichts anfangen kann. Die Konflikte treten offen zutage, als der erste Attentatsversuch scheitert – Iwan will die Bombe nicht werfen, weil Kinder in der Kutsche sitzen.

Alexander Eisenach, zur kommenden Saison neuer Hausregisseur am Schauspiel Hannover, hat ein ganzes Füllhorn von Inszenierungsstilen über das Stück ausgeschüttet. Dessen Text es wohl in erster Linie geschuldet ist, dass zu Beginn öfters das Papier raschelt, wenn da Theorien der Revolution im Allgemeinen und Besonderen ausgebreitet werden. Doch schon in diesem Teil ist auch für Auflockerung gesorgt – lustvoll beweist etwa Beatrice Frey als Alexej, wie wunderbar umständlich man einen Stadtplan erklären kann.

An der Wand

An der Wand: Szene mit Wolf List und Lisa Natalie Arnold.

Hinter einem Vorhang folgt ein beeindruckendes Schattenspiel, bei dem immer die gerade dominierende Figur an Größe zulegt. Ein anderes Bühnenelement ist ein riesiger Bilderrahmen unter der Decke, wo Iwan und Dora sich ihre Liebe gestehen, besser gesagt Ansätze der Liebe verhandeln. Und schließlich gibt es ein glockenförmiges Gerüst, das sich hervorragend zum Klettern eignet und mit einer Art beleuchtetem Klöppel ausgestattet ist.

Die dialoglastigen Episoden werden zunehmend gekontert. Da geht’s mit heftigen Körperverrenkungen und vernuschelten Legenden in Gefilde, an denen auch Regiekollege Andreas Kriegenburg seine Freude haben könnte. Henning Hartmann als eingekerkerter Iwan - das Attentat ist schließlich doch geglückt - wundert sich über das Notausgangsschild in seiner Zelle, berichtet von seiner Schauspiel-Vergangenheit am Bolschoi mit coolen Rollen von Peer Gynt bis Nils Holgersson und spinnt auch ansonsten weidlich herum; all das wohlgemerkt, während er gekonnt auf dem Klavier improvisiert, aber ausgerechnet an dem nun wirklich nicht sehr schwierigen Einstieg in „Für Elise“ scheitert. Großartig.

Jonas Steglich ist als Stepan und Skuratow das Kraftzentrum der Inszenierung, Beatrice Frey zweite Rolle ist die entrückte Großfürstin, die Iwan dem göttlichen Himmelreich näher bringen will, Wolf List gibt sehr präsent Boris und Mithäftling Foka. Lisa Natalie Arnold als Dora könnte ihren Hang zu putziger Diktion zuweilen etwas bremsen, hat aber vor allem im Schlussmonolog große Momente, wenn das Bombenbauen auf einmal gar keine Rolle mehr zu spielen scheint.

Unter dem Strich wirkt der Abend etwas uneinheitlich. Aber langweilig ist er nicht, und manchmal rührt er an.

Informationen zum Stück gibt es hier.

Von Jörg Worat


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