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Kultur Retrorock mit Udo Dirkschneider
Nachrichten Kultur Retrorock mit Udo Dirkschneider
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14:20 07.12.2017
Udo Dirkschneider – hier ein Archivbild. Quelle: dpa
Hannover

Gut 700 Zuschauer tummeln sich im Capitol, allerdings sind darunter kaum Frauen anzutreffen. Das klingt wie eine Dystopie oder wie ein Drehbuch eines B-Movies klingt, ist glücklicherweise nur ein Heavy-Metal-Konzert. Und ein archetypisches noch dazu. Raven, die Vorband um die Gebrüder Gallagher, spielen Old-School-Metal. Very Oldschool, indeed. Mit Falsett-Gesang und Fitness-Verfehlungen, manch einer würde den Auftritt der alten „Knacker“ wohl als Realsatire bezeichnen. Das Trio aus Newcastle nimmt seinen Gig allerdings sehr ernst – inklusive Mitgröhl-Passagen und Gitarrensoli die durchs Effekte-Nirwana taumeln.

Nach einem freundlichen Beifall und mit „The Beast Inside“ kommt der Großmeister des „Knödelgesangs“ – Udo Dirkschneider auf die Bühne. 65 Jahre alt, geborener Wuppertaler und eine Legende seines Fachs. Mit Accept hatte er einst die Metal-Welt erobert, die Band gilt als Wegbereiter des deutschen und des Speed-Metals, 1979 veröffentlichte sie ihr erstes Studioalbum.

Was damals glänzte, beeindruckt auch heute noch: Die Dirkschneider-Kapelle ist wieselflink an ihren Instrumenten, gut eingespielt und herrlich laut. „Bulletproof“ erinnert stark an AC/DC mit Brian Johnson. Das ältere Publikum ist guter Stimmung, die Choreografien des Vierers werden auch gerne mal als „Heavy-Metal-Männerballett“ inklusive Bühnenrand-Posing verulkt. Ein wenig albern sieht das schon aus, doch geschenkt, ihr Metal grooved gehörig.

Für manche der Besucher ist es ein B-Seiten-Set, noch. Denn „Another Second To Be“ und „Protectors Of Terror“ werden dann inbrünstig mitgesungen, und mit „London Leatherboys“ sind alle Nörgler Lügen gestraft.

Sven Dirkschneider ist der neue Schlagzeuger der Band und, naheliegend, Udos Sohn. Er beackert die Basstrommel, die harten Schläge pumpen sich durchs Capitol, er macht einen guten Job auf der „Back To The Roots Tour“. Denn es werden ausschließlich Accept-Songs gerockt. Davor steht Vater Udo in einem Camouflage-Kampfanzug, die Haare kurzgeschoren, eine stämmige Metal-Kugel.

Bei „Stone Evil“ blasen die Nebelfontänen das letzte Konfetti vom Vorabend aus den Ritzen der Halle, Gitarrist Andrey Smirnov spielt (passend zum Großwildjäger-Auftritt Udos) ein Modell im Zebra-Look. Die gute alte Metal-Schule überzeugt mit zweistimmigen Gitarrensoli und viel Backgroundgesang.

„Princess of the Dawn“, „Fast as a Shark“ und natürlich „Balls to the Wall“, alles herrliche Klassiker, weit über 30 Jahre alt. Und nach über zwei Stunden ist dann Schluss mit dem Metal-Zirkus, nicht ohne den legendären „Heidi-Heido-Heida“-Chor von Band und Fans. Merke: Auch Metaller haben zünftigen Humor.

Von Kai Schiering

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