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Kultur Reflexlachen mit Sascha Grammel
Nachrichten Kultur Reflexlachen mit Sascha Grammel
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00:23 18.05.2018
Enger Kontakt zum Publikum: Sascha Grammel in der Swiss-Life-Hall. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Sascha Grammel, einst Dauergast bei Desimos Spezial-Club im Apollo, ist längst im großen Comedy-Business angekommen. In der Swiss-Life-Hall saßen an zwei Abenden hintereinander jeweils knapp 3000 Zuschauer, und statt Gemütlichkeit und Plüschsitzen gibt es jetzt GEMA-freies Gedudel in der Pause (wie bei Mario Barth), ein Gewinnspiel, Pyro- und Lasershow und einen knallbunt-überzuckerten Fanshop (wie bei den Ehrlich Brothers).

Grammels schrullige Puppenspiel-Revue zeigt auf der „Ich find’s lustig“-Tour vor allem, wie man das hinbekommt mit dem Comedy-Massen-Appeal. Anfangs kürt das Publikum ein Wort des Tages, „sachgrundlose Befristung“ ist es am ersten Hannover-Abend, was Grammel ständig für einen sicheren Lacher rausholt – der Abend trieft von Running Gags, die mit fortschreitender Zeit immer weniger Sachgrundlage haben, aber eine Lachsalve nach der anderen provozieren. „Seit wann haben wir ‘nen Text?“, fragt die Schildkröte Josie Grammel einmal – als die Vögel Frederic und Fridolin von Furchensumpf in der letzten Nummer ausnahmslos allen Gags des Abends einen Cameo geben, hat die Reaktion im Saal schon etwas von Reflexlachen.

Seine Handwerkskunst, ob mit der kulleräugigen Schildkröte Josie, dem berlinernden, als Katze verkleideten Fisch Mieze oder Cheeseburger Prof. Dr. Peter Hacke, könnte dabei fast nicht besser sein: Der bauchgeredete und perfekt getimte Dialog mit den Figuren klappt beidhändig, aus der Ferne sowie in allen Stimmlagen – wer sparsam einen Film synchronisieren, könnte Sascha Grammel engagieren. Vor einer bonbonfarbenen Häuserkulisse ist das ein einziger Schlagabtausch mit den Puppen, die immer wieder Grammels Haare beleidigen („Wischmopp“, „Vogelnest“), seinen Knoblauchatem kommentieren und auch ihr Dasein als Figuren selbstbewusst reflektieren.

Wo sich Grammels rechte Hand befindet, wird lieber nur angedeutet. „Wenn Sie die Schnute aufmachen, kann ich nicht mehr reden“, erinnert das Alien Herr Schröder seinen Spieler: „Bei der Hitze ein bisschen mitdenken.“ Das Publikum ist reaktionsschnell – gelacht, geklatscht und „Ohh“ gerufen wird auf Kommando, frei nach dem Grammels Tourmotto: „Ich find’s lustig“.

Am 2. Und 3. September 2019 ist Grammel mit seiner neuen „Fast Fertig!“-Tour wieder in Hannover. Karten gibt es ab 23. Mai.

Von Lilean Buhl

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