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Kultur Reden über das kulturelle Erbe
Nachrichten Kultur Reden über das kulturelle Erbe
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15:09 26.09.2018
Im Gespräch: Carolin Emcke (links) und Bénédicte Savoy. Quelle: Villegas
Hannover

Kunst, Musik, Bräuche – die kulturelle DNS einer Gesellschaft. Anders als in der Genbiologie ist das Erbe hier allerdings nicht so leicht zuzuordnen. Denn wie werden Kultur und ihre Erzeugnisse vererbt? Mit dem fünften Buchstaben des „ABC der Demokratie“ ging Carolin Emcke dieser Frage auf den Grund.

„Wir hatten den Eindruck, dass es in diesen Zeiten sinnvoll sein könnte, noch einmal durchzubuchstabieren, was Demokratie ist“, erklärte die Moderatorin in zu Beginn mit einem Augenzwinkern. Für „E“ wie Erbe holte sie sich Unterstützung aus der Kunstwissenschaft: Bénédicte Savoy ist Professorin für Kunstwissenschaften am Collège de France und unterrichtet Kunstgeschichte der Moderne an der Technischen Universität Berlin. In diesem Jahr ernannte der französische Präsident Emmanuel Macron sie darüber hinaus zur Beraterin für die Rückführung geraubter afrikanischer Kunst in ihre Herkunftsländer.

In Cumberland zerpflückte sie den Begriff des kulturellen Erbes in seine Einzelteile. So entschlüsselte sie vor ausverkauften Rängen nach und nach die politische, historische und auch die emotionale Bedeutung von Kunst und Kultur für eine Gesellschaft und ihre Identität – und auch, was es bedeutet, wenn sie ihr durch Kolonialisierung und Krieg genommen wird.

Gerade in Zeiten, in denen in Deutschland Begriffe wie „Leitkultur“ im politischen Diskurs auftauchen, stellt Savoy genau die richtige Frage: „Welche Beziehungen wollen wir führen?“ Anstatt Grenzen zwischen verschiedenen Kulturen zu ziehen, solle Kunst und ihre Geschichte vielmehr für alle zugänglich gemacht werden – ganz im demokratischen Sinne. Statt über Kulturerbe und –besitz zu debattieren, sei es vielleicht „hilfreicher, wenn man sie als globales Erbe versteht“, so Emcke.

Obwohl Savoy auf ihrem Feld so renommiert ist, urteilt sie weder über Moral noch über Legalität: „Ich versuche lieber darzustellen, wie komplex das ist.“ Und das gelang: In knapp zwei Stunden nahmen Carolin Emcke und Bénédicte Savoy den Begriff des Kulturerbes unter die Lupe und zeigte den Zuhörern, wie vielschichtig diese kulturelle DNS tatsächlich ist. Eine einfache Lösung gebe es schließlich nicht: „Es ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft.“

Das „ABC der Demokratie“ geht noch in dieser Spielzeit weiter: Am 4. Dezember 2018 spricht Carolin Emcke mit Autor und Digitalisierungsspezialist Sascha Lobo über „F“ wie Facebook.

Von Leonie Gebhard

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