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Volle Breitseite: Khalid Bounouar gibt in der Swiss-Life-Hall alles.

Volle Breitseite: Khalid Bounouar gibt in der Swiss-Life-Hall alles.
© Tim Schaarschmidt

Comedy

Rebell-Comedy in der Swiss-Life-Hall

Sie sind politisch unkorrekt, oft böse und sehr lustig: Die Mitglieder der Truppe Rebell-Comedy begeisterte 3100 Fans in der Swiss-Life-Hall.

Hannover. „Missgeburten! Ihr seid 20 Minuten zu spät gekommen!“ Wegen des großen Andrangs startet Rebell-Comedy eine gute Viertelstunde später. Die deftige Ansage lässt Khalid Bounouar vom Stapel, Comedian und Slam-Poet mit nord-afrikanischen Wurzeln. 3100 Zuschauer sind zu „Hoch ansteckend“ in die Swiss-Life-Hall angerückt, die Rebell-Comedy feiert ihr zehnjähriges Jubiläum.

Der Beifall des Publikums ist stark, der Migrationshintergrund ebenfalls, „Bio-Deutsche“, wie es neuerdings und ungelenk heißt, sind in der Minderheit. Und es geht um die Probleme der Zielgruppe: „Mit meinem Namen komme ich nirgendwo rein. Noch nicht mal ins Bürgerbüro“. Stand-up-Comedy ist politisch nicht korrekt. Geht aber gerne dorthin, wo es weh tut.

Hany Siam, Araber, dunkelhäutig und Moslem noch dazu, hat seine eigene Taktik mit Vorurteilen umzugehen: „Du nimmst uns doch die Jobs weg!“ lautet ein oft gehörter Vorwurf. „Das wird nicht klappen, ich arbeite in der Humor-Branche“ ist seine Antwort.

Doch nicht nur die hölzerne deutsche Gesellschaft wird veräppelt, auch die eigenen Leute bekommen ihren Teil ab. Sehr frech, sehr obszön, allerdings auch äußerst unterhaltsam und witzig. Pu rollt mit einem Roller zu Rap-Musik auf die Bühne. „Ich war öfter in Erfurt als im Iran“, bekennt er und fügt nachdenklich hinzu: „Ich sitze zwischen den Stühlen. Bin ich Iraner, Deutscher, oder – wie neun von zehn Leuten denken – Türke?“

Ein Problem, das das einzige „Weißbrot“ unter den Rebellen, Alain Frei aus der Schweiz, nicht kennt. Er erzählt von den Anfängen der Gang. In Shisha-Bars haben sie gespielt, trotz schlechter Luft und Atemnot. Frei wirft sich in eine Geschichte über einen homosexuellen Freund. Enttäuscht ist er, obwohl er selbst nicht schwul ist, dass dieser ihn unattraktiv findet. Eitelkeiten statt Vorurteile, ein geschmeidiger Weg.

„Rebella“ Enissa Amani ist die bekannteste Akteurin der Truppe. TV-erfahren kommt sie auf einer Hebebühne hochgefahren, in einer Sänfte wird sie die Bühne wieder verlassen. Enissa arbeitet inzwischen auch international: „Dort muss ich ganz von vorne anfangen, da kennt mich keiner“. Dafür ist sie Vielfliegerin geworden und spottet über Billig-Airlines und ukrainische Flugbegleiterinnen. „Macht keine Video-Aufnahmen, sonst schicken wir Anwälte, also Schläger!“ droht sie. Sie war damals in einem „Asylanten-Kindergarten“ in Hannover, erinnert sie sich traurig.

Ja, alle Künstler haben ihre besondere Biografie. „Zehn Jahre Arbeit hat es gebraucht, um uns in der deutschen Comedy-Szene zu etablieren“, erklärt die gebürtige Marokkanerin Benaissa Lamroubal, „und jetzt spielen wir sogar in Dresden!“. Es gehe nicht um Islamisierung, sondern um „Ent-Islamisierung! Ihr habt uns Nazan Eckes und Elyas M’Barek genommen, und wir haben dafür Pierre Vogel bekommen. Gebt uns endlich Manuel Neuer!“ Die AfD beunruhigt sie, die ewigen Stereotype ebenso – denn Verzweiflung führt zu Extremismus. Und Humor? Humor hilft.

Von Kai Schiering


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