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Kultur Rainald Grebe im Pavillon
Nachrichten Kultur Rainald Grebe im Pavillon
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00:16 20.09.2017
Am Klavier: Rainald Grebe und sein Programm „Das Elfenbeinkonzert“. Quelle: Villegas
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hannover

Rainald Grebe kommt in den Pavillon und dreht gleich total durch: Er pöbelt seinen Tontechniker an, will ihn nach der Show feuern – „Wir werden Freunde bleiben, aber keine Kollegen!“ Der Mixer ist sein „Sidekick“, und der muss so einiges an Frechheiten aushalten.

Der Kölner Grebe schockt mit Underground-Humor, der Mainstream ist nicht seine Sache: „Hannover wurde nicht gebaut, um Berliner zu beeindrucken!“ Die Zuschauer im ausverkauften Haus müssen dann auch so einiges einstecken: „Hilfe, mein Publikum modert mir weg!“ Denn kaum einer von ihnen kennt den Instant-Messaging-Dienst Snapchat, und in seiner Show „Das Elfenbeinkonzert“ spricht er viel von und echauffiert sich besonders über die neuen Medien.

Er zeigt Blödel-Videos von Instagram-Berühmtheiten, erklärt das Darknet und wie man dort Waffen bestellen kann. In seiner grauen Joppe sieht Grebe dabei aus wie Ekel Alfred – mit dem schwarzen, schmalen Schlips und der hässlichen Jogginghose – und genauso cholerisch rumschreien, kann er eben auch. Nur ist Grebe, 46 Jahre alt, nicht konservativ republikanisch, sondern politisch links.

Auch wenn man nicht immer schlau aus ihm wird, ist Grebe musikalisch einfach zu verstehen und leicht zu genießen. Balladesk, schön Dur, mal Moll, sein Klavierspiel ist nicht perfekt, geschenkt. Dafür rattert er seine Texte heraus, als ob er an einem Silben-Gewehr säße. Er liefert überraschende Pointen, ist humorvoll und hintersinnig. Zweimal führt Grebe das hannoversche Publikum gemein aufs Glatteis: Die rechte Hand sollen alle zum Hip-Hop-Groove heben. Bereitwillig wird im Takt gewippt. Doch wie zur Strafe unterstellt er uns dann den „Römischen Gruß“. Soviel zu Vertrauen schenken. Grebe ist sinnvoller Nonsens, Schnellsprecher, Schnellsänger und leicht außer Atem. Wie sein Publikum.

Von Kai Schiering

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