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Kultur Radio Nukular lässt 1984 aufleben
Nachrichten Kultur Radio Nukular lässt 1984 aufleben
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00:16 09.11.2017
Nerds unter sich: Die Mitglieder von Radio Nukular auf der Capitol-Bühne.  Quelle: Nancy Heusel
Hannover

 Es sieht aus wie bei einer Vorlesung an der Universität, nur jetzt wuseln sie durchs Capitol: Mittzwanziger mit ordentlichen Frisuren, in unauffälliger Mode und medienaffin – ein nerdiges Völkchen, und das ist kein Affront, sondern die Beschreibung der Künstler, die es sich kurz darauf in den bereitgestellten Sesseln auf der Bühne bequem machen. Chris, Dominik und Max betreten das Theater. Radio Nukular nennen sie sich, und bekannt geworden sind sie mit ihrem gleichnamigen Podcast.

Foto: Heusel

Sie reden über das Jahr 1984. Über die Musik, die Filme und Videospiele, das popkulturelle Leben zur Zeit ihrer Geburt. Zuerst werden Filme von 1984 bearbeitet: Zum Beispiel „Zwei Nasen tanken Super“. Mit Thomas Gottschalk. Der begab sich danach noch auf einen Exkurs in die Popmusik, „Thomas Gottschalk und die besorgten Väter“ hieß seine Combo. Unglaublich, wie schnell man vergisst.

Mit „Terminator 1“, „Indiana Jones 2“ und „Amadeus“ geht es weiter. Dominik ist der Schlaumeier unter den drei Kumpels. „Spinal Tap“ kennt nur er. Und man lernt: Arnold Schwarzenegger hat für 30-jährige eine komplett andere Bedeutung als für ältere Mitbürger – er ist ein Vorbild.

Mixer Olli dient als Sidekick. Der habe am Vorabend beim Soundcheck versehentlich noch einen Porno in der Pipeline gehabt. Gelächter unter den Fans, doch erzählen können Radio Nukular viel.

Mit TV-Serien geht ihre Kulturbeschreibung weiter: „Wer ist hier der Boss?“ und „Turbo Teen“ haben sie mutmaßlich schwer beeindruckt, sie lachen jedoch am meisten über sich selbst.

Videospiele beginnen 1984 zu boomen: „Balloon Fight“, „1942“ („ein Flugsimulator mit Knarren“, laut Chris), und natürlich „Tetris“, der Urknall der Daddelei. Nintendo Entertainment System hieß die Konsole des Vertrauens.

Abgenickt und abgelacht, jetzt kommen sie zur Musik. Das wird anstrengend: Bon Jovi haben sich 1984 gegründet, „Fools- oder Soundgarden“ („ein Ignorant, wer den Unterschied nicht kennt“, so Dominik), Modern Talking und die New Kids on the Block ebenso. Die Jahres-Top-100 von 1984 schockt mit P.I.L.s „This is not a Love Song“, („Kenn’ wa nich“), „Break My Stride“, „Freedom“ von Wham! und Madonnas „Holiday“. Das Publikum singt den Countdown mit, die Nukularen betrinken sie sich derweil mit Gewürz-Schnaps. Das ist gruselig anzuschauen und leider ein totaler Absturz im Vergleich zum ersten Teil ihrer Show.

Mit einer guten Nachricht für alle Fans endet ihre Revue: Zu Weihnachten gibt es ein „Gremlins“-Podcast. Hurra – neue Medien hat das Land, neue Helden sowieso, und nun ist eine neue Generation am Zug.

Von Kai Schiering

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