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Kultur Quasthoff und Band begeistern im Kuppelsaal
Nachrichten Kultur Quasthoff und Band begeistern im Kuppelsaal
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12:49 07.10.2010
Soul-Man: Thomas Quasthoff auf den Spuren von Ray Charles und Marvin Gaye. Quelle: Steiner
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VON HENNING QUEREN

Opernsänger können stimmlich alles. Den Schurken, den Liebhaber, den König, den Helden – und eben auch den Soulman. Starbariton Thomas Quasthoff ist gestern Abend im gut besuchten Kuppelsaal und präsentiert sein neues Album „Tell it like it is“ mit allerlei Soul und Jazz. Gleich dreimal steht Quasthoff dabei im Regen: bei „Rainy Night in Georgia“ (dem dritten Stück des Abends), „Rider in the Rain“ und „I Can’t Stand the Rain“. Und weil er den nun wirklich nicht aushalten mag, steigt er bei „bringing back sweet memories“ stimmlich ganz tief in den Basskeller hinab.

Jeder, der diesen Crossover von Oper zu Soul wagt, muss schon ein bisschen mehr bieten, sonst würde man eben an dieser Stelle keinen Opernsänger brauchen. Hier ist es die Kraft und die Herrlichkeit einer ausgebildeten Stimme, die „Ain’t no Sunshine“ zum zeitlosen Klassiker adelt. Das sind nicht nur Verneigungen vor den Großen, vor Ray Charles, Randy Newman, Marvin Gaye oder Bill Withers, es sind echte Aneignungen. Das Timbre stimmt einfach bei „My Funny Valentine“ und das Timing bei „Hallelujah! I Love Her so!“ Bisweilen kommt er an diesem Abend an die Topinterpretationen („Please Send me Some­one to Love“) heran. Manches ist sogar richtig tanzbar.

Man sieht einfach, dass es ihm richtig Spaß macht. Einfach mal so loszuswingen, wie es bei der „Winterreise“ gar nicht geht. Oder mal richtig loszuröhren wie in „Have a Little Faith in me“, stimmlich den Tiger zu geben in Stevie Wonders „Have a Talk with God“. Zwischendurch immer wieder launige Plaudereien über Hannover 96 und das Verhältnis von engen Hosen und hohen Stimmen. Ein echter Entertainer.

Auch die Band ist klasse, klein besetzt, groß im Klang mit nostalgisch orgelnder Hammond. Auch die weiteren Tasten von Fender Rhodes bis Klavier drückt Frank Chastenier. Auch Bruno Müller (Gitarre), Dieter Ilg (Kontrabass) und Wolfgang Haffner (Schlagzeug) begleiten sonst die ganz Großen der Jazz-Szene und an diesem schönen Abend einen besonderen Sänger.

Im Zugabenblock zeigt Quasthoff, dass er nicht nur mit der Musik gut klarkommt, sondern auch mit den Inhalten. Einer der Höhepunkt ist Randy Newmans „Short People“ – ein ziemlich grimmiger Text, den Quasthoff mit lässiger Eleganz serviert. Riesenapplaus. Und als allerletztes Stück, das Piano klimpert dazu wie vier Eiswürfel im halbvollen Whisky-Glas, „Georgia on my Mind“ – als wenn Quasthoffs Stimme von Mr. Jack Daniels persönlich tiefer gelegt worden ist. Wunderbar, wie dieser „short man“ da auf der Bühne mit seiner Stimme überlebensgroß wird.

Bewertung: 4/5

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