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OI, Oi, Oi: Sänger und Gitarrist Sammy Amara hat Spaß auf der Bühne in Hannover.

OI, Oi, Oi: Sänger und Gitarrist Sammy Amara hat Spaß auf der Bühne in Hannover.
© Frank Wilde

Konzert

Punk und Pogo: Die Broilers in Hannover

Am Dienstag spielten die Broilers vor 5000 begeisterten Fans in der Swiss-Life-Hall. Nicht nur ein Abend voller Punk, Pogo und Pathos sondern auch mit vielen Hymnen.

Hannover. Alles dreht und dreht und dreht sich im Kreis. Es ist eine Hitze in der Swiss-Life-Hall wie am Grill, und irgendwann riecht es würzig, mit ganz viel Fantasie beinahe nach Brathähnchen. Im Foyer beschlagen schon die Scheiben. So ist das halt, wenn die Broilers in der Stadt sind.

Volltreffer: Sobald der Vorhang mit der Zielscheibe fällt, erleben 5000 Fans in der ausverkauften Halle eine Band, die das Zeug dazu hat, in wenigen Jahren Arenen zu füllen. Sie werden später davon erzählen können. Was vor 24 Jahren als obskure Oi-Punk-Schülerband begann, ist heute konsensfähig; die letzten beiden Alben „Noir“ und „(sic!)“ waren Nummer-eins-Hits, gefüllt mit Liedern zwischen Deutschrock, Punk, Ska und Rockabilly – und vor allem unbändiger Energie, der man sich live kaum entziehen kann. Gefühlt kommen auch drei Lieder mit „Ho Ho Ho“- Chören.

Sic! Genau so geht das: kompromisslos, authentisch, ehrlich, das Herz auf dem rechten, also linken Fleck. Es geht um Heimatgefühle („Zurück zum Beton“) und Ausgegrenztsein („Zu den Wurzeln“), ums Älterwerden („Meine Familie“) und Anderssein („Harter Weg (Go!)“), um verlorene Liebe („Tanzt du noch einmal mit mir?“) und verlorene Helden („Ihr da oben“).

Die Broilers kommen – dem ostzonalen Namen zum Trotz – aus Düsseldorf, wie die Toten Hosen. Sie spielen massentauglichen Punkrock, wie die Toten Hosen. Man ist befreundet. Aber die Broilers laufen kaum Gefahr, dass ihre Lieder auch mal auf CDU-Parteitagen gespielt werden, auch an Tagen wie diesen, da sie zu einer der großen deutschen Bands werden. Dies sind keine Punkrock-Dienstleister für eine mal kurz wild gewordene Mittelschicht. Dies ist eine Band, die brennt.

Die drei Blechbläser, Schlagzeuger Andi Brügge und Keyboarder Chris Kbczak erledigen als Soundmalocher die Basisar beit. Ron Hübner am Bass zeigt, dass man auch mit Iro headbangen kann. Bassistin Ines Maybaum grinst unentwegt. Und dann ist da noch Sammy Amara: Frontmann, Texter, Komponist, Grafikdesigner und Sprachrohr der Broilers. Er sagt gar nicht so viel. Aber was er sagt, ist ihm wichtig: „Menschen werden nach ihren Taten beurteilt, entweder du bist ein guter Mensch oder ein Arschloch.“

„Keine Hymnen heute“ ist so eines dieser neuen Lieder gegen rechts. Und das ist wahr, und doch glatt gelogen. Denn hier und heute gibt es ganz viele Hymnen. Es geht sicherlich raffinierter, aber kaum wirkungsvoller. Punk, Pogo, Pathos – und Pilsener: „Wenn man Bier mag, sollte man das hier probiert haben“, sagt Amara, als er ein Herri kippt. Man weiß nicht, ob es als Kompliment gemeint ist.

„Meine Sache“, die inoffizielle Bandhymne, kommt nach bald zwei Stunden: „Meine Sache, mein Problem“, singt Amara mit 5000fachem Echo: „Ich werd nicht untergehen.“ Nein, genau so kann man weitermachen.

Von Stefan Gohlisch


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