Navigation:
Retro-Rotschopf: Heidi Solheim.

Retro-Rotschopf: Heidi Solheim.
© Foto:Ørjan Bertelsen

Interview

Pristine: Retro-Rock und Spaß dabei

Mit ihrer Band Pristine gehört die Norwegerin Heidi Solheim zur Speerspitze der aktuellen Retro-Rock-Bewegung. Darüber und über ihre Neigung, ab und zu auch Kinderlieder zu schreiben, sprachen wir mit der 35-Jährigen mit der Janis-Joplin-Stimme..

Hannover. In ihrer Heimat Norwegen ist die Musikerin Heidi Solheim (35) längst ein Star. Den Rest Europas erobert sie mit ihrer Retro-Rock-Band Pristine. Nun kommt sie mit ihrem Album „Ninja“ mal wieder auf Tour. Ein Interview.

Was sind denn Ihre Ninja-Skills?

Ich denke, jeder besitzt Ninja-Skills; das hängt von der jeweiligen Situation ab, in der man sich befindet. In dem Song geht es um Entschlossenheit, und er repräsentiert meiner Meinung nach das Album sehr gut.

Wie das? Ein Ninja ist üblicherweise jemand, den man nicht wahrnimmt, bis er da ist.

Oh ja, man weiß, wenn wir da sind (lacht). Das Album trifft mich jedes Mal wieder wie ein Fausthieb in den Magen, mit seiner Musik und seinen Texten.

Wenn es auf die Situation ankommt: Sie befinden sich in einer, in der sie Leaderin einer Rockband sind, Solokünstlerin, Kinderliedermacherin und Autorin ...

Genau, dafür brauche ich viel Entschlossenheit – und Vertrauen in mein Bauchgefühl. Vielleicht sind das meine Ninja-Skills: mich den Aufgaben zu stellen, wenn ich es brauche.

Was muss passieren, damit Sie Rockmusik brauchen?

Ich mag es nicht, über längere Zeit im selben Genre zu arbeiten. Dazu bin ich zu ruhelos. Nach meinem letzten Kinderliederalbum hatte ich eben das Bedürfnis, etwas Anderes zu tun, etwas mit etwas mehr Soul und Blues. So entstand „Ninja“. Jetzt habe ich gerade Lust auf Popsongs. Der Song „Ninja“ entstand übrigens schon vor ein paar Jahren, passte aber nicht mehr auf das letzte Pristine-Album.

Das war das erste Album, das außerhalb Norwegens erschien. Sie, die in Norwegen ja schon ein Star war, wurden daraufhin als Newcomer gefeiert. Wie fühlte sich das denn an?

Wie ein Neustart. Wir mussten auch wieder so arbeiten wie eine Newcomer-Band. Schön war: In Norwegen wurden wir bekannt, als wir einen nationalen Blues-Wettbewerb gewannen. Seither gelten wir dort als Blues-Band, was nicht ganz richtig ist. Außerhalb Norwegens kann der Zuhörer selbst entscheiden, was für Musik wir machen.

Ist Blues denn eine so wichtige Musikrichtung in Norwegen?

Ziemlich. Es ist ein recht kleines Land – mit mehr als 50 Blues-Festivals.

Ihre letzte Deutschland-Tournee war mit den Blues Pills aus Schweden, einer anderen skandinavischen Retro-Rockband. Haben Sie eine Erklärung für den kleinen Boom solcher Bands?

Keine Art von Rockmusik wird je wirklich verschwinden, denn manchmal haben wir das Bedürfnis, authentische Instrumente zu hören. Das gilt für Klassik-Rock, Retro-Rock oder wie auch immer Sie das bezeichnen möchten. Den Begriff Retro-Rock kannte ich zum Beispiel gar nicht, bis ihn jemand verwendete, um „Ninja“ so zu charakterisieren.

Mit welcher Musik sind Sie aufgewachsen?

Ich mochte die Musik der Seventies. Wenn Sie so wollen, bin ich die klassische Retro-Rock-Hörerin (lacht). All meine Mitschüler fuhren auf die Hits aus dem Radio ab, und ich hielt mich an die alten Kassetten mit den Beatles, Led Zeppelin oder den Eagles oder dergleichen.

Pristine begann aber ursprünglich aber als Popband, oder?

Jugendliche Verwirrung (lacht). Eine Zeitlang hatte ich das Bedürfnis, typische Teenie-Pop-Songs zu schreiben: „Mein Herz bricht“ und so weiter. Doch je öfter wir live spielten, desto mehr Lust bekam ich, Musik zu machen, mit der ich aufgewachsen war. Ich wollte nicht nett klingen, sondern rau.

Und wie sind Sie dann zu Kinderliedern gekommen?

Ich glaube, ich habe einen sehr kindischen Humor. Außerdem bin ich Stiefmutter zweier Kinder, habe darum viel Kindermusik gehört, meist irgendwelches Synthesizer-Gedudel. Ich glaube aber, dass man Kinder so ernst nehmen sollte wie Erwachsene.

Ist Rockmusik nicht auch eine Art, das innere Kind herauszulassen?

Auf jeden Fall. Kennen Sie die Mockumentary „Spinal Tap“ – so ist das bei uns auch: Alles geht schief, aber die Songs sind gut (lacht).

Also sind Sie mit Ihrer Rockmusik kindischer als mit Ihren Kinderliedern?

Wahrscheinlich, ja. Ich freue mich sehr auf die Tour und die Gelegenheit, wieder kindisch zu sein. Nicht ist besser, als Tränen zu lachen, und ich weiß, dass wir das wieder tun werden.

Pristine live: am 29. September in der Bluesgarage. Karten kosten 20 Euro.

Von Stefan Gohlisch


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von den Obike-Leihfahrrädern in Hannovers City?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie