Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Poetry-Slam Teams treten gegeneinander an
Nachrichten Kultur Poetry-Slam Teams treten gegeneinander an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 23.12.2016
HIER GIBT ES SONST VERDI: Beim Poetry-Slam in der ausverkauften Staatsoper setzt sich das Team Casino Wetzlar durch. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Als Special kündigen die Moderatoren Henning Chadde und Jan-Egge Sedelies vor ausverkauftem Haus einen Team-Slam an: Die Dichter tragen in Zweiergruppen eigene Texte vor.

Da sind Beard and Breakfast aus Essen und Berlin, die ihren „Bahntext.doc“ fast vorrappen und mit reichlich Gepose um ihre Bahncard 100 bestücken - „Was los, Digger, Bahn fahr’n“ lässt etwa 1200 Zuschauer Tränen lachen. MYLF aus Wien machen eher Assoziationspoesie, spielen ihre Zeilen wie im Doppelpass hin und her und schaffen es, die Katerstimmung nach dem Feiern für den Weltfrieden zu artikulieren und nebenbei blumig den teaminternen Altersunterschied deutlich zu ma-chen: „In meiner Jugend“, sagt Mieze Medusa zu Kollegin Jasmin Hafedh, „war Michael Jackson schwarz.“

Da die Vorträge auf sieben Minuten begrenzt sind, sind die Beiträge schnell getaktet - Leerlauf oder ein Abarbeiten am Prozedere, was den Opernslam manchmal verlangsamt, gibt es heute nicht. Und die Qualität der Dichtung, der Raps, der Performances überzeugt wie immer. Vor allem in der ersten Hälfte hört man starke Texte, bei denen die Performance der Worte noch mehr im Vordergrund steht als beim Einzel-Slam und die Publikumspunkte regnen lässt.

Die Dichter reden im Chor oder auch mal durcheinander, sie gestikulieren wild und laufen über die Bühne. Das Spektrum an Themen ist breit, auch wenn die Form diesmal meist humoristisch bleibt. Natürlich Blond, eine München-Hannover-Koproduktion hat vielleicht die lustigsten Sprechgesänge dabei: Ein Rap über Jugendsprache vereint Money-Boy-Persiflage und kategorischen Imperativ und klärt - wahrscheinlich zum ersten Mal in der hannoverschen Staatsoper - auf, was „fresh“ und was „whack“ (,schlecht‘) ist. In der zweiten Runde beginnt die Gruppe mit einer Hommage an „Ingwer-Aloe-Vera-Birkenwald-Limo“ trinkende Gentrifizierer „von außerhalb, die den Ommas die Wohnungen wegnehmen“. Der politische Spin kommt meist mit Augenzwinkern, ist aber effektiv.

Doch im Finale gewinnen Tobias Gralke und Philipp Herold alias Team Casino Wetzlar aus Hildesheim und Koblenz, die schon in der Vorrunde mit einem von Fußballzitaten und -metaphorik durchzogenen Gesamtkunstwerk überzeugten. Später entlassen die deutschsprachigen Team-Vizemeister das Publikum mit einer Art Märchen über das „Land, wo der Pfeffer wächst“ in die Nacht: Ein Abgesang auf den Funktionalismus, mit Wortwitz und Chuzpe - ein begeistertes Publikum spendet letzten Beifall.

Bewertung: 5/5

VON LILEAN BUHL

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!