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Kultur Peter Maffay mag es unplugged
Nachrichten Kultur Peter Maffay mag es unplugged
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17:44 21.02.2018
Beim Redaktionsbesuch: Peter Maffay.  Quelle: Rainer-Droese
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Hannover

 Peter Maffay (68) ist einer der großen Rockstars des Landes. Dass er auch leise kann, zeigt er mit seinem „MTV Unplugged“-Album und der dazugehörigen Tour. Ein Interview.

Was war die Motivation für das „Unplugged“-Album?

Dafür gibt es zwei gute Gründe. Das eine waren 63 Tabaluga-Konzerte; da hatte jeder, obwohl das schön war, ein wenig die Nase voll, im positiven Sinn: Wir wollten etwas Anderes machen, zurückrudern zu der Musik, die wir sonst machen. Und das zweite war: Das Thema „Unplugged“ – also die Möglichkeit ohne elektronische Verstärker zu musizieren, Gäste einzuladen – das haben wir zuvor mit dieser Konsequenz noch nicht umgesetzt.

Das heißt?

Wir haben während früherer Tournee immer mal Unplugged-Blöcke im Programm gehabt, aber ein ganzes Konzert unplugged spielen - das war neu. Wir haben das Album im Steintor-Varieté in Halle an der Saale aufgenommen, im Kreis sitzend wie bei einer Studio-Session, das Publikum so nah dran wie nur selten. Neben allen musikalischen Vorzügen kommt wohl auch ein bisschen Eitelkeit hinzu (lacht), schaut man sich den Kreis der Künstler an, die bislang ein „MTV Unplugged“ gespielt haben.

Welcher war Ihr Favorit?

Eric Clapton, auf jeden Fall. Da weiß man, wo die Messlatte hängt und versucht, den eigenen Anspruch noch ein wenig höher zu schrauben.

Wie sind wir vorgegangen?

Wenn wir ein Album mit neuen Songs hätten konzipieren wollen, hätten wir uns hingesetzt und geschrieben. Jetzt gab es die Lieder bereits. Wir mussten ausforsten, das Machbare von dem Nicht-Sinnvollen, weil Wiederholtem trennen. Das haben wir im Januar des vorigen Jahres gemacht. Dann ging es um die Überlegung: Wen hätten wir gerne dabei? Wie geht man das an? Wer macht den ersten Schritt? So entstand langsam eine Kontur.

Erzählen Sie mir etwas zu der Gästeliste. Sie umfasst von Johannes Oerding über Jennifer Weist von Jennifer Rostock bis zu Katie Melua eine sehr bunte Mischung ...

Oder Tony Carey mit seinem Rainbow- und Richie-Blackmore-Hintergrund. Philip Poisel, der sehr lyrisch ist ... Die Mischung hätte nicht bunter sein können. Das war das Schöne an der Geschichte. Die Stimmung und die Atmosphäre waren toll. Die Technik bekamen wir auch nach ein paar Tagen in den Griff.

Was war das Problem?

Ein sehr kompakter Raum und sehr hoch; das war soundtechnisch eine Herausforderung. Man muss ganz anders spielen als in einer großen Halle. Bertram Engel zum Beispiel ist eigentlich ein Heavy-Schlagzeuger. Er begann zu spielen wie in einem Stadion. Das ging nicht. Er musste sein Spiel dem Raum anpassen und endete schließlich in einer Jazz-Stilistik, ganz leicht, ganz weich, ganz akzentuiert.

Mit den Gästen gab es jeweils einen Maffay-Song und einen eigenen Song ...

Ja, das war die Idee. ich habe meine Songs gewählt, und sie durften ihre vorschlagen.

Was waren die großen Überraschungen?

Katie ...

... die Sie dazu gebracht haben, „Ich wollte nie erwachsen sein“ auf Deutsch zu singen.

Nein, das war andersherum. Ich habe ihr gesagt: „Du, es gibt dieses Lied in einer englischen Version; das macht es uns einfach.“ Sie hat geantwortet: „Nein, ich schreibe mir das entsprechend auf.“ Und ich sagte: „Aber du hast doch noch nie deutsch gesungen.“ Und sie: „Dann mache ich das jetzt mal.“ Ich habe ihr prophezeit, wenn sie das macht, werden die Leute das abfeiern. Und so war es auch. Aber die eigentliche Überraschung war ihr eigener Song.

Ach.

Ja, „Dreams on Fire“. Das ist ein ganz zartes, aber sehr komplexes Lied; man meint gregorianische Chöre herauszuhören. Diese Form ihrer Musik ist einzigartig. Also hat sie uns beigebracht, wie man das singt. Sie hat eine sehr stille, aber extrem bestimmte Art, eine solche Probe zu führen. Man sieht es auch, wenn man die Aufzeichnung des Konzertes sieht. Sie ist eine leise Kraft: Sie schaut einem ins Gesicht, und man weiß: „Erlaub’ dir um Gottes Willen keinen Fehler.“ (lacht) Das hat uns sehr beeindruckt.

„Ich wollte nie erwachsen sein“ ist schon ein Schlüsselstück, oder?

Wir haben einige schöne Songs, aber an den Inhalt ist kein anderes Lied herangekommen, weil es das, worum es geht, so perfekt bündelt: Es geht um Kindlichkeit, die man sich, wenn möglich, bis ins hohe Alter bewahrt.

Ist das das Wesen des Künstlers?

Im Grunde ja. Und was wir mit diesem „MTV Unplugged“-Album gemacht haben, ist letztlich in einen Sandkasten zu steigen, und jeder brachte seine eigenen Ideen, Spielzeuge und Kuchenformen mit.

Mehr über das Konzert finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch

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