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Kultur Panne bei den Oscars – falscher Film ausgezeichnet
Nachrichten Kultur Panne bei den Oscars – falscher Film ausgezeichnet
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07:54 27.02.2017
Panne bei den Oscars 2017: Zunächst wurde „La La Land“ von Warren Beatty (M.) als Gewinner in der Kategorie „Bester Film“ verkündet – Filmproduzent Jordan Horowitz kam auch nach vorne. Tatsächlich hat aber „Moonlight“ gewonnen.   Quelle: AP
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Los Angeles

 Riesenpanne bei den Oscars: Die Schauspieler Warren Beatty und Faye Dunaway haben den falschen Gewinner vorgelesen und damit für enorme Verwirrung gesorgt. Zuerst verkündeten sie, das Musical „La La Land“ habe in der Hauptkategorie als bester Film gesiegt - das war aber falsch. Wenig später stand dann fest: Das Drama „Moonlight“ des schwarzen Regisseurs Barry Jenkins hat den wichtigsten Oscar des Abends gewonnen.

Unpolitische Tanzeinlagen, freche Spitzen gegen den US-Präsidenten und rührende Momente: Sehen Sie hier die besten Bilder der 89. Oscar-Verleihung.

Noch mehr Auszeichnungen gingen an „La La Land“. Das nostalgische Werk von Regisseur Damien Chazelle gewann sechs Oscars, darunter in den Kategorien für Regie, Filmmusik und Kamera. Seine Hauptdarstellerin Emma Stone wurde ebenfalls ausgezeichnet. Mit 14 Nominierungen war „La La Land“ als großer Favorit ins Rennen gegangen. Chazelle ist mit 32 Jahren der jüngste Regisseur, der je mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Viola Davis ringt mit den Tränen

Als bester Darsteller wurde Casey Affleck für das Drama „Manchester by the Sea“ ausgezeichnet. Die Trophäen für die besten Nebenrollen gingen an die schwarzen Schauspieler Viola Davis und Mahershala Ali, die sich mit bewegenden Dankesreden ans Publikum wandten

Mit strahlendem Gesicht verkündete Ali in seiner Dankesrede, dass seine Frau Amatus Sami-Karim erst vor vier Tagen ihre gemeinsame Tochter zur Welt gebracht habe. Davis rang in ihrer Dankesrede mit den Tränen und sagte, sie sei froh, Schauspielerin zu sein. Die Schauspielerei sei eines der wenigen künstlerischen Metiers, in denen das Leben, Menschen und Gefühle gewürdigt würden.

Kimmel dankt Präsident Trump

Politische Proteste wie die Rede von Meryl Streep bei den Golden Globes gab es bei diesen Oscars zwar nicht – dafür aber immer wieder Spitzen gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump. „Ich möchte mich bei Präsident Trump bedanken“, sagte Moderator Jimmy Kimmel. „Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr, als jeder gesagt hat, dass die Oscars rassistisch seien?“, meinte Kimmel mit Blick darauf, dass es im vergangenen Jahr viel Kritik an fehlenden schwarzen Nominierten gab.

Dieses Jahr sei das anders. „Die Schwarzen haben die NASA gerettet, die Weißen Jazz, das nennt man Fortschritt“, sagte Kimmel zu Beginn der Verleihung am Sonntag und unter Anspielung auf einige der nominierten Filme.

„Ist das ein Ivanka?“

Die von Trump als „absolut überbewertet“ bezeichnete Meryl Streep wurde von Kimmel mit einem besonderen Applaus begrüßt. Die anwesenden Stars gaben ihr spontan stehende Ovationen. „Schönes Kleid, übrigens“, lobte Kimmel an die Adresse von Streep. „Ist das ein Ivanka (Trump)?“

Allen Oscar-Siegern riet Kimmel, sich zu freuen, schließlich bekämen sie die Chance, dass der Präsident „in Großbuchstaben über sie twittert, wenn er morgen früh um 5 Uhr Verdauungsprobleme hat“. Kimmel spielte auch auf die weltweite Diskussion an, die die Wahl Trumps ausgelöst hatte: „Diese Übertragung wird von Millionen Amerikanern geschaut und in mehr als 225 Ländern – die uns nun alle hassen.“

Keine Oscars für deutsche Filmschaffende

Für die deutsche Regisseurin Maren Ade verlief der Abend enttäuschend: Ihre Erfolgs-Tragikomödie „Toni Erdmann“ verlor in der Sparte bester fremdsprachiger Film gegen den iranischen Beitrag „The Salesman.“ Doch die Enttäuschung dürfte sich bei Maren Ade in Grenzen halten: Die 40-Jährige hatte zuvor auf dem roten Teppich erzählt, dass sie sich schon vor der Oscar-Verleihung als Gewinnerin sehe. Die Filmakademie mache es mit den zahlreichen Veranstaltungen schon im Vorfeld so toll, dass man „sich wie ein Gewinner fühlt“.

Der Doku-Filmer Marcel Mettelsiefen konnte in seiner Kategorie „Kurz-Dokumentation“ ebenfalls nicht gewinnen. Der 38-Jährige war mit seinem Werk „Watani: My Homeland“ über die Flucht einer syrischen Familie nach Deutschland nominiert.

„Mama, ich weiß, dass Du auf mich herabsiehst“

Schon 20 Mal war Kevin O’Connell für einen Oscar nominiert, nur um dann leer auszugehen. Doch bei der diesjährigen Gala ist die Rekord-Serie gerissen: Für seine Mitarbeit an Mel Gibsons Kriegsdrama „Hacksaw Ridge“ bekam der Tontechniker endlich eine Trophäe in der Kategorie bester Ton.

Seine inzwischen verstorbene Mutter habe ihm vor 39 Jahren seinen ersten Tontechniker-Job verschafft, erzählte O’Connell auf der Bühne. Damals habe er sie gefragt, wie er sich dafür erkenntlich zeigen könne. Darauf habe seine Mutter geantwortet, er solle hart arbeiten, eines Tages einen Oscar gewinnen und ihr von der Bühne aus vor aller Welt danken. Genau das tat O’Connell. „Mama, ich weiß, dass Du heute Abend auf mich herabsiehst“, sagte er. „Daher danke.“

In der Vergangenheit war der 59-jährige O’Connell für seine Arbeit an Filmen wie „Top Gun“, „Eine Frage der Ehre“, „Twister“, „Spider-Man“ und „Transformers“ nominiert.

Das sind die Oscar-Gewinner 2017

Bester Film: „Moonlight“. Der Film erzählt auf sehr berührende Weise vom Heranwachsen eines jungen Schwarzen. Für das Drama gab es insgesamt drei Oscars, darunter auch für Mahershala Ali als bester Nebendarsteller.

Beste Regie: Damien Chazelle für das Musical „La La Land“. Der 32-Jährige ist der jüngste Preisträger in dieser Kategorie.

Bester fremdsprachiger Film: „The Salesman“. Der Film erzählt von einem Ehepaar das nach einem brutalen Überfall auf die Frau nicht die Polizei einschaltet, sondern Selbstjustiz übt. Das Werk wird so zu einem Drama um Schuld, Vergebung, Würde und Moral.

Bester Hauptdarsteller: Casey Affleck für seine Rolle in dem Drama „Manchester by the Sea“. Der 41-Jährige spielt in dem Film einen Hausmeister, der unter dem Verlust seines Sohnes leidet und mit einem weiteren Todesfall in seiner Familie konfrontiert wird.

Beste Hauptdarstellerin: Emma Stone für ihre Rolle in „La La Land“.

Beste Nebendarstellerin: Viola Davis für ihre Rolle im Drama „Fences“. Der Film erzählt von einem afroamerikanischen Paar in den USA der 1950er Jahre.

Bester Nebendarsteller: Mahershala Ali für seine Leistung in dem Drama „Moonlight“. Darin spielt der 43-jährige US-Amerikaner einen Drogenhändler und Ersatzvater für einen jungen schwarzen Heranwachsenden.

Bestes Originaldrehbuch: Kenneth Lonergan für „Manchester by the Sea“

Bestes adaptierte Drehbuch: Barry Jenkins für „Moonlight“. Die Geschichte stammt von Tarell Alvin McCraney.

Bestes Kostümdesign: „Phantastische Wesen und wo sie zu finden sind“

Make-up: „Suicide Squad“

Bester Ton: Kevin O’Connell für seine Mitarbeit an Mel Gibsons Kriegsdrama „Hacksaw Ridge“

Bester Dokumentarfilm: „O.J.: Made in America“. Der sieben Stunden und 47 Minuten lange Film ist der längste Film, der je mit dieser Ehrung versehen wurde. Regisseur Ezra Edelman würdigte Simpsons Frau, Nicole Brown Simpson, und Ron Goldman bei der Annahme des Preises. Deren brutale Ermordungen hatten zum sogenannten „Jahrhundertprozess“ gegen die frühere NFL-Größe geführt.

Beste Kurz-Dokumentation: „The White Helmets“ von Orlando von Einsiedel und Joanna Natasegara. Die Doku erzählt von freiwilligen Helfern der Weißhelme-Organisation in Syrien, die nach Bombenangriffen Opfer aus den Trümmern retten.

Beste Filmmusik: Justin Hurwitz für „La La Land“

Von dpa/AP/RND

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