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Kultur Odysseus in der Beziehungskiste
Nachrichten Kultur Odysseus in der Beziehungskiste
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00:23 02.06.2018
Das Relief im Kestner-Museum: Penelope (Mitte) hadert. Von rechts naht die Amme. Links tratschen die Dienerinnen. Quelle: Museum, August Kestner, Foto: Christian Tepper
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Hannover

Es ist die alte Leier: Er kommt spät von der Arbeit nach Hause, viel zu spät. Sie hat die ganze Zeit auf ihn gewartet und ist entsprechende angefressen – erst recht, als er auch noch mit seinen vermeintlichen Heldentaten prahlen will. Das Ganze wird nicht besser, wenn er stolze 20 Jahre unterwegs war und Odysseus heißt. Einen sehr modernen Blick auf diesen epische Helden der griechischen Antike – und auf seine Frau Penelope – erlaubt eine Performance im Museum August Kestner.

„Odyssee – eine Performance“ (Untertitel: „Ein Beziehungsdrama nach Homer“) wird gezeigt im Rahmenprogramm der aktuellen Sonderausstellung „Beziehungskiste. Über Kommunikation“. Und passt dort auch, so die hauseigene Archäologin Anne Viola Siebert, perfekt hinein: „Das Stück knüpft sogar an ein Relief unserer Sammlung an.“

Jenes Relief, das zwischen dem Ende des ersten Jahrhundert vor und dem Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christi Geburt datiert wird, zeigt Penelope kurz vor dem entscheidenden Moment des Wiedersehens. Die Amme naht schon mit der frohen Botschaft, dass Odysseus heimgekehrt ist. Penelope hadert, auch wegen all der Freier im Haus, die das Erbe des Totgeglaubten antreten wollen. Schließlich war der lange unterwegs: erst beim Trojanischen Krieg, dann auf sagenhafter Irrfahrt, Zyklop, Circe, Scylla und Charybdis und so weiter. wenig später wird sich Odysseus der Freier entledigen. Bei Homer ein Happy End.

Wie aber geht es weiter mit den beiden Liebenden? Der Frage geht Regisseurin Ingeborg Waldherr, Dozentin am Institut für Theaterpädagogik Freiburg in ihrem Zwei-Personen-Stück nach. Kaija Ledergerber und Ilja Baumeister spielen die antiken Figuren, die sich urplötzlich in einer ganz modernen Beziehungskiste wiederfinden. Penelope ist nämlich gar nicht amüsiert über die martialischen Abenteuer ihres Gatten und erst recht nicht über seine Frauengeschichten. Und er muss lernen, dass, was unter Kerlen als Heldentat gelten mag, nicht überall ungeteilte Begeisterung hervorruft.

Ein absolut zeitgenössisches Stück, auch durch die Begleitung mit Neuer Musik durch ein kammermusikalisches Trio, besetzt mit Studenten der Filmmusik aus Freiburg. In der dortigen universitären Antikensammlung feierte das Stück Premiere. Gerade wurde es beim Antikenfestival im italienischen Padua gezeigt. Die einmalige Aufführung im Kestner-Museum ist die zweite Station in Deutschland.

„Das passt unbedingt in unser Haus“, sagt Museumsdirektor Thomas Schwark: „Wir haben die einzigartigen Artefakte. Hier werden sie zum Leben erweckt.“ Und Siebert ergänzt: „Die Odyssee fasziniert bis heute; die Leute finden sie immer noch spannend und interessant. Und das konnte nur stattfinden, weil die Griechen die Schrift erfanden, um diese Geschichte aufzuzeichnen.“ Und beides, die Aufzeichnung und die Interpretation lässt sich nun im Museum nachempfinden.

Am 31. Mai ab 19.30 Uhr im Kestner-Museum. Karten (zwölf, ermäßigt acht Euro) gibt es nur an der Abendkasse.

Von Stefan Gohlisch

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