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SORGTE FÜR KLASSISCHE TÖNE: Das Antwerp Philharmonic Orchestra begeisterte die Zuschauer – das zeigt die Einblendung des Publikums auf der Großbildleinwand.

SORGTE FÜR KLASSISCHE TÖNE: Das Antwerp Philharmonic Orchestra begeisterte die Zuschauer – das zeigt die Einblendung des Publikums auf der Großbildleinwand.© Fotos: Franson

Konzert

Night of the Proms in Hannover: Die Mischung macht’s

Dieser Abend war „Hamma!“: 8700 feierten die Night of the Proms in der ausverkauften Tui-Arena in Hannover

Hannover.  Der Star des Abends wird eingeflogen. Emily Bear thront mit ihrem Klavier auf einem LED-Würfel und schwebt darauf durch die ausverkaufte Tui-Arena. 16 Jahre ist die US-Amerikanerin alt, eine Unbekannte, und doch wird sie – das ahnt zu diesem Zeitpunkt wohl niemand unter den 8700 Zuschauern – den Abend dominieren. Was bei dem prallen Programm, das auch dieses Jahr wieder für die Night of the Proms ge­schnürt wurde, eine Leistung ist.

Pop trifft Klassik, Hochkultur auf große Hits der 70er bis heute – die Mischung stimmt und gehört für viele Besucher inzwischen genau zur Vorweihnachtszeit wie Gebäck und Punsch. Das Proms-Sinfonieorchester, das sich Anfang des Jahres in Antwerp Philharmonic Orchestra umbenannt hat, der Chor Fine Fleur und die Backbone Band liefern den musikalischen Unterbau, sie spielen zum Beispiel Händels „Messias“, Tschaikowskis „Romeo und Julia“ und – in einer schön rauen Version – Griegs „In der Halle des Bergkönigs“. Die „Maestra“, Alexandra Arrieche, garantiert auch im zweiten Jahr eine Extraportion Schwung und Schmiss, dirigiert in Corsage und schwarzem Überrock und tanzt hingerissen vor sich hin.

Doch ihre richtige Würze bekommt so eine Night of the Proms erst dadurch, dass sie scheinbare Widersprüche vereint. Gleich als erste Stargäste fallen die Jungs des Berliner Dancehall-Kollektivs Culcha Candela in die Halle ein und bringen ihre Hits „Hamma“ (in einer Art sinfonischer Calypso-Version), „Von allein“ und „Monsta“ – da steht schon mal die ganze Halle.

Dann verzaubert Emily Bear mit ihrem Können, fliegt ein zum James-Bond-Soundtrack „Skyfall“, verfremdet Gnarls Barkleys „Crazy“ und improvisiert mit jazzigen Tönen zu der Liebesgeschichte von Sabine und Reinhardt aus dem Publikum. Leise lächelt sie vor sich hin, fasziniert mit Charisma und Können und reißt die Menschen zu Begeisterungsstürmen hin.

Und auch die Kollegen: Mit Proms-Faktotum John Miles spielt sie „All by myself“ und darf sogar das Intro für seine Hymne „Music“ übernehmen, während er auf ihrem Klavier lehnt und sie verzaubert anschaut. „Seit 15 Jahren“ habe man versucht, die 16-Jährige für die Show zu gewinnen, scherzt der verlässlich gut gelaunte Moderator Uwe Bahn, und man versteht, was er meint. A star is born.

Stars sind die anderen schon lange: Da singt Peter Cetera mit viel Las-Vegas-Schmelz und Gefühl in Stimme und Mimik die Hits seiner Solokarriere und seiner Band Chicago, von „If you Leave me Now“ bis „Power of Love“. Spice-Girl Melanie C bringt großen Pop mit, veredelt mit ihrer kratzigen Stimme die Powerballade „Never Be the Same Again“ und reißt mit „I Turn to you“ die Zuschauer von den Sitzen. Und John Hodgson bringt – mit schelmischem Lächeln unter der ergrauten Matte – Musikgeschichte in die Halle: Die Songs seiner Band Supertramp, von „School“ bis „Give a Little Bit“, haben sich tief in die kollektive Erinnerung eingegraben. „Dreamer“ widmet er den Machern der Show, die es geschafft haben, den Traum von einer vereinten Musikwelt zu realisieren.

Schabernack gehört zu so einer Unterhaltungsshow auch dazu: Bahn stellt eine App vor, mit der sich angeblich das Orchester fernsteuern lässt, zappt durch unterschiedliche Komponisten, dreht an der Geschwindigkeit und drückt die Pausentaste, während die Musiker ihm tatsächlich folgen – wie auch danach die Zuschauer, die auf Kommando klatschen und schunkeln. Und bei einem Cartoon-Medley werden auch die Perkussionisten humoristisch stark gefordert. Ein großer Spaß.

Zum Finale singen und spielen alle zusammen Coldplays „Sky Full of Stars“ – ein Himmel voller Sterne. Und manche strahlen besonders hell.

Ab Dienstag beginnt der Vorverkauf für die Night of The Proms 2018. Die steigt am Dienstag, 4. Dezember 2018, wieder in der Tui-Arena ab 20 Uhr (Einlass 18 Uhr). Die Tickets von 44,80 bis 87,35 Euro inkl. Gebühren gibt es in den NP-Ticket-Shops.

Von Stefan Gohlisch


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