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Die Band der Stunde: Die Rolling Stones (v. l. Bill Wyman, Brian Jones, Charlie Watts, Mick Jagger und Keith Richards) brachten sich zwischen 1963 und 1965 auch mit Radiokonzerten ins Gespräch.

Die Band der Stunde: Die Rolling Stones (v. l. Bill Wyman, Brian Jones, Charlie Watts, Mick Jagger und Keith Richards) brachten sich zwischen 1963 und 1965 auch mit Radiokonzerten ins Gespräch.
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Pop

Als die Stones den Blues ins Radio trugen

Ganz früher spielten die Rolling Stones noch live in den Radiosendungen der BBC. Das Album „On Air“ dokumentiert die Energie einer Band, die mit Blues und Chuck Berry anfing. Und die zuletzt mit dem Album „Blue & Lonesome“ auch wieder zum Blues zurückkehrte.

Hannover. Dass sie den Chicago-Blues immer noch draufhaben, zeigten die Rolling Stones Ende 2016 mit dem Album „Blue & Lonesome“, das befreiend klang nach der quälerischen Studioarbeit der vergangenen 20 Jahre. Nach „Bridges To Babylon“ (1997) hatten sie nur noch das schwache „A Bigger Bang“ (2005) heraus gebracht, dessen Lieder sie bei Konzerten völlig ignorierten. „Blue & Lonesome“ markierte nach elf Jahren Studioschweigen die Rückkehr zu den Anfängen: Alles Bluesklassiker und Mick Jagger ließ die Mundharmonika brennen wie damals in den Zeiten vor „Satisfaction“ (bevor sie für zweieinhalb Jahre lang die verwegenere Ausgabe der Beatles wurden). Erst recht bei den drei Deutschlandkonzerten im vergangenen September und Oktober.

Das britische Rundfunkgesetz forderte Live-Musik

Diese Zeit - von der ersten Single „Come On“, einem Chuck-Berry-Original - bis zum dritten Album „Out of Our Heads“ (1965) ist Gegenstand des neuen Stones-Albums „On Air“. Das streng genommen kein neues ist, weil die Aufnahmen schon vor mehr als 50 Jahren entstanden. Damals verlangte das britische Rundfunkgesetz einen bestimmten Anteil an live gespielter Musik im Insel-Äther.

Das Gesetz wurde bis zu den frühen Siebzigerjahren deutlich gelockert, in der Zeit aber, in der die Rolling Stones groß herauskamen, wurden in den Senderstudios zuweilen mehr Konzerte gegeben als Platten aufgelegt. Die Bands, die im Gefolge der Beatles die Invasion Amerikas mit englischer Musik geschafft hatten, gaben sich bei der BBC die Klinke in die Hand. Zahllose „BBC-Sessions“-Alben wurden bis heute veröffentlicht, die bekanntesten waren die beiden der Beatles und das von Led Zeppelin.

Mick Jagger ließ die Mundharmonika brennen

Und jetzt folgt also eins von den Rolling Stones, die sich bei der Talente suchenden BBC im Dezember 1962 zunächst für die spätabendliche Radiosendung „Jazz Club“ bewarben (weil Blues und Jazz in der Senderphilosophie beste Freunde waren), aber zunächst abgelehnt wurden. Im Juli 1963 traten sie dann in der Fernsehshow „Thank Your Lucky Stars“ auf, im August machten sie bei dem neuen TV-Jugendformat „Ready Steady Go!“ Furore.

Das Radio holte sie sich dann erstmals im September in den „Saturday Club“, dem sie bis zum September 1965 treu blieben. Sie besuchten auch andere Sendungen und wuchsen stetig als Live-Band. Mick Jagger war damals noch nicht der durchtrainierte Bühnentänzer, eine Mundharmonika fiebern und heulen lassen, das konnte er damals aber schon ganz formidabel. Gitarrist Brian Jones ebenfalls.

DieStones-Energie vibriert auch bei schwächerer Klangqualität

Die leidenschaftlichen Allessammler unter den Stones-Fans haben das Meiste von „On Air“ schon – auf Raubpressungen allerschlimmster Klangqualität. Umso mehr erstaunt es, was die Restauratoren aus mancher Aufnahme herausgeholt haben. „Come On“, der Eröffnungssong des Albums, hat eine geradezu plastische Qualität, ebenso der Bo-Diddley-Blues „Cobbs and Robbers“ oder die Stones-Version von Chuck Berrys „Roll Over Beethoven“. Aber es gibt auch Ausfälle: „Memphis Tennessee“ und „Around and Around“ – beides ebenfalls Berry-Originale, klingen dünn, und die Version von „Satisfaction“ ist mitnichten dazu geeignet, anstelle des Originals auf der nächsten Ü-60-Party aufgelegt zu werden.

Lange hatten die Stones keine Lust, diesen Aufnahmen Aufmerksamkeit zu widmen. Jetzt erweist sich „On Air“ als sinnfälliger Nachschub zu „Blue & Lonesome“. Auch wenn vielen ein „Blue & Lonsesome II“ lieber gewesen wäre, ist die Ausbeute für Fans relativ groß: Acht der Songs gab’s bislang nicht offiziell und die Energie vibriert auch in den klangtechnisch schwachen Aufnahmen. Wüsste man es nicht schon, würde man drauf wetten: Diese Band kommt ganz groß raus!

The Rolling Stones: „On Air“ (Polydor)

Von Matthias Halbig / RND


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