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Breites Lächeln: Schauspielerin Julia Goehrmann feiert Ende des Monats mit ihrer „Musical Factory Hannover“ die erste Premiere.

Breites Lächeln: Schauspielerin Julia Goehrmann feiert Ende des Monats mit ihrer „Musical Factory Hannover“ die erste Premiere.
© Michael Wallmüller

Theater

Neue Musicals für Hannover

Wer „Musical“ hört, denkt oft an aufwendige Großproduktionen mit einer guten Portion Kitsch. Die Schauspielerin Julia Goehrmann will den Hannoveranern eine etwas andere Musical-Kultur nahebringen. Am 28. September hat ihre Produktion „Non(n)sens“ Premiere.

Hannover. Kein Keks, bloß nicht. Julia Goehrmann trinkt Brause, eine von der sauren Sorte. „Süß mag ich nicht so“, sagt sie, durch die rote Lockenmähne grinsend – die Schauspielerin und Musical-Macherin meint das beileibe nicht nur kulinarisch, sondern auch künstlerisch. Weswegen sie kurzerhand ihre eigene Kompanie gegründet hat: die Musical Factory Hannover. Mit der möchte sie sich absetzen von den Musical-Tourtheatern und ihren oft süßlichen Stoffen. Schräg darf es werden, gerne auch ein bisschen böse. Entsprechend makaber ist denn auch die Ausgangssituation ihrer ersten Produktion „Non(n)sens“, die bald Premiere hat.

„Im Musical wird man immer typmäßig besetzt“, sagt sie: „Ich spiele meist den Kontrapunkt – das sind oft auch die interessantesten Rollen.“ 1994, sie war gerade noch Schauspiel-Studentin in Hamburg, hatte sie ihre erste große Rolle im „Jack the Ripper“-Musical, „da war ich noch eine Liebe.“ Problem: „Da hat man meist keine Fallhöhe.“

Grundsätzlich ist sie Sprechtheater-geschult, arbeitete lange an der Landesbühne, unter Intendant Herhard Weber, mit dem sie jetzt auch wieder zusammenarbeitet. Sie arbeitete auch im Fernsehen, für Formate wie „Doppelter Einsatz“ und „St. Angela“, aber doch zog es sie immer wieder zum Musical: „Daran hat mich immer gereizt, dass es nicht nur Reden ist.“ Gut gemacht, könne es Intellekt und Emotion ansprechen wie keine andere Kunstform. „Wenn Sprache nur verstandesmäßig funktionieren würde, gäbe es doch nicht so viele Missverständnisse“, ist die zweifache Mutter sich sicher: „Je vielschichtiger ist, was die Leute auf der Bühne sehen, desto besser.“

Das gelte auch für gar zu volkstümliche Singspiele mit ihrem Schielen auf Hits: „In einem Lied sollte immer etwas transportiert werden, das die Geschichte vorantreibt.“ Deswegen ist sie auf der Suche nach unverbrauchten Stoffen, sogenannten Off-Broadway-Stücken: „Wir haben unsere Nische gesucht: Hannover hat ein tolles vielschichtiges Theaterangebot, nur das Musical wird ein bisschen stiefmütterlich behandelt.“

Sie, Tochter des ehemaligen Messe-Chefs Klaus Goehrmann, ist angetreten, das zu ändern. Ist jetzt, mit 47 Jahren, ihr eigener Chef. Trägt das finanzielle Risiko mit ihrer ebenfalls neu gegründeten Firma JG Entertainment UG, deren alleinige Gesellschafterin sie ist. „Das ist eine meiner schwierigeren Rollen“, sagt sie lachend und glaubt ganz fest, dass es funktionieren wird: „Ich erlebe Hannover als offene Stadt, in der gerne einmal neue Sachen ausprobiert werden.“

Zum Beispiel besagtes Stück „Non(n)sens“, bei dem garantiert nicht die üblichen Musical-Schönheiten auf der Bühne stehen werden: „Ich mag Menschen, je verschiedener, desto liebe. Ich mag es einfach, wenn da nicht nur große Blonde, sondern auch eine Farbige oder eine kleine Dralle spielen. Ich hoffe, dass es sich bei uns toll fügt.“

Sich selbst hat sie als Schwester Robert Anne besetzt: „Die möchte gerne ein echter Star sein, bringt aber immer etwas Trouble herein.“ Eines ist klar: Süß ist die nicht. Und im echten Leben: „Da kommt es immer darauf an, wer fragt.“

Das Stück

52 Nonnen sterben an einer Fischvergiftung; nur fünf ihrer Ordensschwestern kommen davon – sie waren zum Zeitpunkt der Mahlzeit Bingo spielen. Das Geld für eine angemessene Bestattung fehlt ihnen. Die Lösung: eine Benefizgala – die bildet den Rahmen für das schwarzhumorige Musical „Non(n)sens“ von Dan Goggin, das am 28. September Hannover-Premiere hat. Ex-Landesbühnen-Intendant Gerhard Weber inszeniert es für Julia Goehrmanns „Musical Factory“ im Sofa-Loft. Dort ist es bis 19. November zu sehen. Karten kosten 29 und 34 Euro plus Gebühren. Mehr Informationen gibt es hier.

Von Stefan Gohlisch


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