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11:23 17.09.2010
Die Installation "1:1" von Tea Mäkipää. Hier fließt sogar das Wasser und leuchten die Lampen. Quelle: Queren
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VON HENNING QUEREN

GEHRDEN. Überleben, das ist das Einzige, was zählt, auch in der Kunst. Einer hats hier offensichtlich nicht geschafft, eine Pfeife liegt irgendwo im Gras, eine Armbanduhr einsam unter einem Baum, ein Spazierstock steht verloren an einer Bank. Sebastian Gräfe hat in seiner Installation „Das Land, in dem ich niemals ankam“ das Sich-Verlieren zum Thema gemacht.

Weniger diskret und umso eindrucksvoller ist dann die Arbeit „1:1“ von Tea Mäkipää, Glanzstück der wunderbaren Schau „Survival“ (Kurator: Hannes Malte Mahler), mit der in diesem Jahr die Gärten der Rittergüter in Len­the nachhaltig bereichert werden. Das Röhrenskelett eines zweistöckigen Hauses in Schräglage, das wie die Takelage eines Seelenverkäufers im Rasen versinkt, zeigt alles, ohne dass wir in unseren Mietskasernen nicht überlebensfähig wären: Wasserversorgung, Klos, Strom. Die Kunst dieser Kunst liegt auch darin, dass es funktioniert, nachts leuchten die Tütenlampen.

Mit deutlich weniger Leuchtkraft, aber nicht minder nachdrücklich präsentieren sich die Lagerfeuer „Bonfire“ von Kenny Hunter – gusseiserne Feuerstellen, die exakt und gleichsam für die Ewigkeit die flüchtigen Flammen nachbilden. Ganz andere Assoziationen zum Thema Überleben wecken die gewaltigen Stoffwürste, die Birgit Dieker um den Stamm eines mächtigen Baumes geschlungen hat. Vielleicht hat sie dabei an Migranten in Paris gedacht, die tagsüber ihre Bündel und Koffer in Bäumen unterbringen, damit die Habseligkeiten nicht gestohlen werden.

Tief hinunter reicht die witzige Skulptur mit dem entsprechenden Titel „Survival (Giraffe)“, bei dem nur ein bronzener Kopf aus der Rasenfläche ragt. Das arme Tier? Die Giraffe scheint dem Gesichtsausdruck nach ziemlich zufrieden mit dem ungewohnten Blick auf die Welt zu sein. Und den bieten auch die minimalen Eingriffe in die Natur von Christiane Oppermann, die mit wunderlichen Pflanzen aus banalen Plastikstrohhalmen, Plastikbechern und Recycling-Dingen die Len­ther Flora surreal anreichert.

Und an einer Stelle wird das Überleben dann doch etwas schwerer. Die schwimmende Insel „Coconut Island“ von Christiane Möbus scheint kurz vorm Kentern und rettet nur sich selbst – Paradies in Seenot.

Bis 3. Oktober auf dem Obergut und Untergut Len­the. Sonnabends und sonntags jeweils 11 bis 17 Uhr, Führungen jeweils um 15 Uhr. Eintritt frei.

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