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Kultur Navid Kermani begeistert grenzenlos
Nachrichten Kultur Navid Kermani begeistert grenzenlos
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00:18 28.02.2018
Ein Reisender: der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani. (c) dpa
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Hannover

„Manches versteht man erst, wenn man reist -nicht, wenn man bleibt“, sagt Navid Kermani im ausverkauften Schauspielhaus. Der deutsche Schriftsteller mit persischen Wurzeln las auf Einladung des Staatstheaters und des Literaturhauses aus seinem Buch „Entlang den Gräben – Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan“.

Kermanis Buch ist mehr als ein aktueller Reisebericht, denn es reflektiert auch die geschichtlichen Ereignisse und historischen Gegebenheiten der bereisten Länder. Der Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels unternahm war, mit zeitlichen Unterbrechungen, 54 Reisetage in 14 Monaten unterwegs – von seiner Heimatstadt Köln aus durch den Osten Europas, mit dem Baltikum bis nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern. Das alles ist hochinteressant, informativ, spannend und bewegend.

Da tut die wundervolle, eindringliche Musik der ukrainischen Sängerin, Komponistin und Schauspielerin Mariana Sadovska mit ihrem indischen Harmonium gut. Sie hilft, die vielfältigen Eindrücke von Kermanis atmosphärisch-detaillierten Ausführungen zu verarbeiten. Denn die gehen oft unter die Haut: Er reiste unter anderem in jene „Bloodlands“, wo im Zweiten Weltkrieg die Juden vernichtet wurden, nach Weißrussland, wo Wehrmacht und SS ganze Landstriche entvölkerten, entlang dem „Riss zwischen Ost und West“, den Gräben, die in Europa neu entstanden sind. Er schreibt über Begegnungen mit Zeitzeugen und lässt die furchtbaren Ereignisse lebendig werden. Erschütternd seine Schilderung der Gedenkstätte Paneriai in Litauen, wo er die „Geister der Ermordeten“ förmlich spürt.

Zwischendurch spricht er über die Erinnerungskulturen in Ost und West und über die Gegenwart, das Versprechen Europas und seine Realität. „Auch Grenzen können schön sein!“, sagt Kermani. Sie seien nicht grundsätzlich schlecht Denn sie stünden auch stehen für Unterschiede und könnten anregend sein, wenn Kulturaustausch stattfinde.

Es soll auch nicht alles gleich sein, findet er. Wichtig für Vielfalt und Unterschiede sind Frieden und Toleranz, davon ist er überzeugt. Und dafür gibt es nach fast zwei Stunden kräftigen Applaus.

Von Christian Seibt

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