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Kultur Musical-Star Merle Hoch über „Wie es euch gefällt
Nachrichten Kultur Musical-Star Merle Hoch über „Wie es euch gefällt
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13:29 30.07.2018
Lichtgestalt: Merle Hoch ganz zivil im Bühnenbild des „Wie es euch gefällt"-Musicals. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Ein Musical, wie es uns gefällt: Am Donnerstag hat im Theater am Aegi mit „Wie es euch gefällt“ die vierte Shakespeare-Bearbeitung von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig Premiere. Die Hannoveranerin Merle Hoch (35) spielt die Hauptrolle der Rosalinde, die verkleidet als Mann, ihren Liebsten erobert. Ein Interview.

Warum macht es Ihre Figur es eigentlich kompliziert? Sie müsste doch nur irgendwann ihre Verkleidung als Mann abwerfen, und alle wären glücklich.

Ich glaube, es ist ein typisch weibliches Ding: Rosalinde, also meine Figur, verliebt sich ja gleich in ihn. Eine Szene später bin ich dann schon Mann und könnte sagen: Hut ab, Klamotten weg, „Ich bin die Rosalinde, lass es uns versuchen“. Aber das wäre ihr nicht genug. Sie will erst mal gucken. Und das finde ich schon sehr weiblich. Sie spielt auf verschiedenen Ebenen: Zunächst ist sie Rosalinde als Frau. Dann spielt sie den Mann, Ganymed. Und sie spielt als Ganymed Rosalinde ...

... und sie spielt in der höfischen Gesellschaft auch noch die ihr zugewiesene Rolle.

Richtig. Und die ist auch schwierig. Sie ist Einzelgängerin. Ihr Vater ist verbannt. Aber sie lebt immer noch am Hof. Die Menschen mögen sie irgendwie, aber sie hat es schwer. Sie ist nur geduldet, aber nicht geliebt.

Macht sie das zu der großen Skeptikerin, die sie ist?

Sie ist im Kern total romantisch. Sie hofft, dass es das gibt, die Liebe auf den ersten Blick. Sie wünscht sich nichts lieber als das, aber glaubt nicht so recht daran. Sie singt: „Schwör’ mir Treue für einen Tag.“ Sie glaubt dem Orlando auch so lange nicht, dass er fast die Nerven verliert.

Was der Zeitpunkt wäre, an dem die Frau sagt: „Nee, der verliert mir zu schnell die Nerven.“

Genau. Aber er macht noch weiter. Bis sie weiß: Der meint es ernst. Er zieht es echt durch; das muss Liebe sein.

Haben Sie sich ausgemalt, wie es nach dem Happy End weitergeht?

Ja. Ich glaube schon, dass die beiden zusammen sein werden. Mit ein paar Streits vielleicht – wir müssen uns ja erstmal kennenlernen.

Und er muss ihr ihre Irreführung verzeihen.

Ich kann mir vorstellen, er ist da relativ schnell. Sie nicht so.

Sie ist ja auch schlauer als alle anderen Figuren in dem Stück.

Sie ist sehr clever. Aber sie hat als Einzelgängerin auch viel Zeit nachzudenken. Ihre Freundin Celia ist ihre einzige Vertraute. Vielleicht wird sie irgendwann auch lesbisch, und die beiden kommen zusammen (lacht). Das ist die zweite Variante.

Oder sie wird Transmann?

Oder das (lacht). Wobei es ihr wirklich viel Spaß macht, diese Männerrolle zu spielen: dass sie als Mann emanzipiert ist, dass sie was sagen, etwas verändern kann.

Inwieweit spiegelt das auch Ihre Situation wieder? Solche starken Frauenrollen sind selten bei Shakespeare und auch in Musicals.

Das stimmt. Man spielt oft die Freundin von ... Oder die Frau von ... Oder die Tochter von ... Dieses Mal treibt sie alles voran. Sie ist es nicht gewöhnt, das zu tun, hat sich das, glaube ich, auch viel cooler vorgestellt, aber manchmal entwischt es ihr schon. Sie merkt am Ende, was sie getan hat: Dadurch, dass sie Mann ist, verlieben sich alle in den falschen und sind traurig.

Wie glücklich sind Sie mit dem Stück?

Es wird was ganz Spannendes! Ich bin total neugierig, wie es wird und bin sicher, dass ich es, auch wenn ich nicht mitspielen würde, auf jeden Fall anschauen würde. Die Atmosphäre hier ist super. Das Team ist toll. Die Cast ist klasse. Und die Texte von Heinz Rudolf sind wie immer extrem klug, und dann kommt Heiner mit seiner wahnsinnig eingängigen und schönen Musik dazu, und es wird zu etwas ganz Besonderem. Ich liebe es, im Theater am Aegi zu sein. Das ist für mich ein Stück Heimat.

Haben Sie als Kind irgendwann gedacht: Da möchte ich auf der Bühne stehen?

Ich wollte bei den Olympischen Spielen dabei sein (lacht). Aber ich habe hier, im Theater am Aegi, mein erstes Musical überhaupt gesehen, die „West Side Story“, zu Schulzeiten. Da schließt sich schon ein Kreis.

Den Abschied vom Gartentheater bedauern Sie nicht?

Nein, Vor- und Nachteile halten sich die Waage. ich hoffe, dass die Menschen kommen, obwohl das Wetter so toll ist. Ich mache jedenfalls drei Kreuze, dass ich die letzten drei Wochen nicht draußen proben musste.

Es ist eine Uraufführung. Wie sehr können Sie der Rolle und dem Stück Ihren Stempel aufdrücken?

Es ist ein Unterschied, ob man als Schauspielerin viel reagiert, wie es für mich zum Beispiel bei „Tarzan“ der Fall war. Jane war trotz allem ein Mädchen. Rosalinde ist schon reifer. Ich finde es witzig, das zu übertragen in die wirkliche Welt. Ich merke, dass ich als Mann total viel geben muss. Als Frau kann ich mich hineinsinken lassen. Das hört sich vielleicht doof an, aber ich merke jetzt, wie viel Verantwortung ich als Mann übernehmen muss.

Haben Sie womöglich etwas gelernt?

Ja, zum Beispiel dass man als Frau vom Mann manchmal vielleicht ein bisschen viel verlangt. Und es ist wohl andersrum genauso, aber anders. Und das sind eben auch die Unterschiede, weswegen Mann und Frau voneinander angezogen sind. Das große Spiel der Liebe.

Das andere große Thema des Stücks ist: Liebe lohnt sich immer, egal zwischen wem.

Auf jeden Fall. Ohne Liebe hätte für mich – also für Rosalinde wie für Merle – alles keinen Sinn.

Info zum Stück

Der Vater verbannt, sie selbst nur geduldet: Die junge Rosalinde hat es nicht leicht am Hofe des französischen Herzogs Friedrich. Als sie sich in den Adligen Orlando verliebt, wird es richtig kompliziert: Er flieht in den Wald, sie hinterher, ihre Vertraute Celia (Friedrichs Tochter) im Schlepptau. Zur Sicherheit verkleidet sich Rosalinde als Mann, Ganymede, und findet Liebesbriefe Orlandos an Rosalinde. In Kostümierung stellt sie ihn auf die Probe ...

„Irrungen und Wirrungen“ zuhauf in „Wie es euch gefällt“, dem vierten Shakespeare-Stück, das Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig als Musical aufbereiten, nach dem „Sommernachtstraum“, „Was ihr wollt“ und „Der Sturm“. Die Inszenierung von Renate Rochell feiert an diesem Donnerstag Premiere. Gespielt wird an 15 Terminen bis zum 25. August – und nicht wie bei den Vorgängern im Gartentheater Herrenhausen, sondern im Theater am Aegi.

Karten kosten 42,20 bis 65,20 Euro. Es gibt sie in den NP-Ticketshops und natürlich auch online.

Von Stefan Gohlisch

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