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Kultur Murry Perahia spielt im Kuppelsaal
Nachrichten Kultur Murry Perahia spielt im Kuppelsaal
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13:52 05.11.2017
Meister der verhaltenen Töne: Murray Perahia bei der Probe. Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Hannover

Wenn man so gut ist, braucht man keinen richtigen Dirigenten. Schon gar nicht für Beethoven. Der Großmeister war alleiniges Programm beim Konzert der versierten Academy of St. Martin in the Fields – wieder mal eine Art Heimspiel, denn das Kammerorchester hat in Hannover seine feste Fan-Gemeinde. Der Kuppelsaal war (bei Preisen bis zu 95 Euro pro Ticket) überaus gut gefüllt.

Der Konzertmeister (Tomo Keller) übernimmt hier die Funktion des Dirigenten, gibt die Einsätze durch Nicken des Kopfes, da er seine Hände ja an der Geige haben muss, oder durch entsprechende Bewegungen des Oberkörpers. Und er spielt als Solist zur Eröffnung Beethovens schwelgerische Violinromanze mit der nötigen Geschmackssicherheit.

Ein anderes Kaliber ist da schon Beethovens erste Sinfonie. Kein Titan, kein Rebell wird hier beschworen. Aber manchmal macht es auch Spaß, einfach nur Perfektion zu erleben. Und die liefert die Academy zuverlässig: zügige Tempi, im Menuett mit angeschärften Bläsern, auch das abschließende Allegro kommt mit traumwandlerischer Sicherheit und Souveränität.

Auf die sich der Star des Abends verlassen kann. Murray Perahia spielt nach der Pause Beethovens fünftes Klavierkonzert, des „Emperor Concerto“, das hier eher in voller Übereinstimmung mit dem Academy-Sound in der Königsklasse erklingt. Perahia setzt auf zurückhaltendes Forte und bringt das Konzert mit einer überzeugend unaufdringlichen Intensität, das hat schon Klasse: So sanft hat man dieses häufig überdonnerte Werk selten gehört. Manuell ist jedenfalls alles wunderbar.

Und plötzlich hat man auch wieder einen Dirigenten. Perahia erhebt sich plötzlich vom Klavierschemel und gibt mit kraftvollen Bewegungen die Einsätze, nimmt wieder Platz, und das Spiel geht weiter.

Ein Abend, der seine Qualität aus der gelungenen handwerklichen Bewältigung schöpft.

Von Henning Queren

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