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Kultur Morricones Melodien werfen das Kopfkino an
Nachrichten Kultur Morricones Melodien werfen das Kopfkino an
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15:52 13.01.2019
Der Maestro: Ennio Morricone.
Hannover

Die Mundharmonika scheint erfunden worden zu sein, um exakt diese eine Melodie zu spielen. Eine Melodie, die sofort Bilder im Kopf erzeugt und wie eine Schablone auf ein gesamtes Genre gelegt werden kann: „Spiel mir das Lied vom Tod“. Ennio Morricone, mittlerweile 90 Jahre alt, hat es geschrieben – und dazu weitere mehr als 500 Filmmusiken. Ein „Best of“ war nun im Kuppelsaal zu hören.

Das gut 100-köpfige Orchester der Milano Festival Opera unter Leitung von Dirigent Marcin Wolniewski widmet dem Maestro einen Abend voller Emotionen und Meilensteile. Leinwand-Animationen mit atmosphärischen Film-Stills und Original-Filmszenen ersetzen zwar das Kopfkino, erschaffen aber dennoch eine intensive Stimmung, die mit der handwerklich nahezu perfekten musikalischen Darbietung zu einem großen Ganzen verschmilzt: darunter die „Love Theme” aus „Cinema Paradiso”, die auf der Leinwand mit Stummfilmküssen untermalt wird, oder „Chi Mai“ aus „Der Profi“.

Die Titelmelodie des französischen Gangsterstreifens „Der Clan der Sizilianer“ (mit Alain Delon) kommt düster und bittersüß daher, die Stücke aus Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“ sind melancholisch, traurig und in Verbindung mit den gezeigten Filmszenen beinahe unerträglich intensiv. Auch für Regisseur Quentin Tarantino hat Morricone komponiert. Bühne und Leinwand schimmern blutrot, als die Melodien aus „Django Unchained“ und „Hateful 8“ erklingen.

Doch der Name Morricone wird vor allem mit Italo-Western und Sergio Leone in Verbindung gebracht. So schrieb er Filmgeschichte. Die Titelmelodie aus „Zwei Glorreiche Halunken” sowie „The Ecstasy Of Gold“ werden mit Bravo-Rufen belohnt. Und dann kommt endlich. „Spiel mir das Lied vom Tod“ – dramatisch, spannungsgeladen, betäubend, irgendwie brutal, aber doch genial einfach. Das Orchester läuft zur Höchstform auf - mit Mundharmonika und Westerngitarre. Der Abend voller unsterblicher Kunstwerke endet mit stehenden Ovationen und einem Kopfkino auf dem Heimweg, bei dem der Mann mit der Mundharmonika die Hauptrolle spielt.

Von Aline Westphal

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