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Starke bilder: Szene aus der Experimental-Oper „Die Frist ist um“, die aktuell im Ballhof eins gezeigt wird.

Starke bilder: Szene aus der Experimental-Oper „Die Frist ist um“, die aktuell im Ballhof eins gezeigt wird.
© Jakob Schnetz

Oper

Mit Wagner in den Todestrakt

Tolles Opern-Experiment im Ballhof eins: „Die Frist ist um“ verlegt Wagners Fliegenden Holländer in den Todestrakt von Texas.

Hannover. Viel los ist nicht im Ballhof eins – etwa 50 Besucher sind gekommen, um die Erstaufführung von „Die Frist ist um“ zu sehen: Die wahre Geschichte eines Todeskandidaten und seiner Brieffreundin, umrahmt von Wagners Fliegendem Holländer. Dabei hätte diese ausgereifte, heruntergebrochene Oper mehr Aufmerksamkeit verdient – ein Schicksal, was sie durchaus mit ihrem Thema eint.

Wille Trottie (gesprochen von Stefan Wiefel) sitzt in einer 5,6 Quadratmeter großen Todeszelle in Texas, die Lehrerin Gabi Uhl (Isabelle Barth) aus Deutschland schreibt Briefe an Willie und besucht ihren baldigen Freund über die Jahre immer wieder. Bassbariton Hans Gröning klebt die Zellenumrisse mit Klebeband auf die Bühne – es gibt Menschen, die größere Betten haben als den Gefangenen Lebensraum zugestanden wird.

Gröning und Sopranistin Caroline Melzer singen und werden dabei nur von Yun Qi Wong am Klavier begleitet – eine Operninszenierung (von Volker Bürger) mit Understatement, was Wagner gut verträgt. Auch die gemeinsame thematische Basis erschließt sich gleich: Der fliegende Holländer ist ein Verdammter, auf Ewigkeit verflucht, das Kap der guten Hoffnung zu umsegeln – findet er eine Frau, die ihn liebt, darf er endlich sterben. Willie Trottie vertraut Gabi in den Briefen, die die Sprecher vorlesen, immer mehr an. Ach die Details seiner Tat: Die Kritik an der Todesstrafe, die das Stück klar ausübt, verlangt, den Menschen zu sehen, und nicht, seine Unschuld zu beteuern.

Auch wenn die Programmatik sich teils in den Vordergrund schiebt, ist das Künstlerische nicht zu ignorieren: Zwischen dem aus Stelen errichteten Todestrakt, der zwischendurch auch Schiffsmasten und Straßenschilder darstellt, geben der fliegende Holländer und Senta ein bezauberndes Duett. „Die düst‘re Glut, die hier ich fühle brennen, sollt ich Unseliger sie Liebe nennen?“ – Gabi ist Zeugin, als Willie am 10. September 2014 hingerichtet wird. Als das Licht im Ballhof ausgeht, ist es vor dem Applaus lange still.

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Von Lilean Buhl


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