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PARADIESVOGEL: Mieze Katz ist eine eindrucksvolle Frontfrau.

PARADIESVOGEL: Mieze Katz ist eine eindrucksvolle Frontfrau.© Becker

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Konzert

Mia im ausverkauften Capitol

Rin in die Federn, raus aus den Federn. Mieze Katz rockt richtig: 1600 Fans beim Konzert von Mia im ausverkauften Capitol.

Hannover. Mieze Katz trägt Federkleid im ausverkauften Capitol. Ein Vogel. Ein Engel. Fliegend. Abgehoben. „Ich lege mich gegen den Wind“, singt die Mia-Frontfrau. Der Song dazu heißt „Sturm“, und die Band lässt einen Sturm kreisen. Schwer. Mahlend. Man fühlt ihn in sich. Fühlt sich gut an.

„Tacheles“ heißen Tour und Album. Tacheles heißt Klartext. Aber man wurde wieder mal nicht schlau aus der Lyrik, und auch die Erklärungen der Band klangen verschwurbelt. Man hat den Berlinern das verübelt. Man verübelt ihnen sowieso gern: Immer dabei, immer vorn, immer laut. Die Drama-Queen Mieze - exaltiert, sperrig, kratzbürstig, sinnleer. Emporkömmlinge des Wir-sind-Helden-Erfolgs. Zugaufspringer, Nachmacher.

Was live rüberkommt, ist guter Pop. Und im Konzert ist Mieze im Element, eine Königin der Rampe. Dreht sich, springt, tanzt, boxt Schatten, schwebt im Ring über der Bühne, spritzt mit Wasserpistolen, hat - längst raus aus den Federn - ein Kleid aus Licht an, lodert, brennt, kommt gar als kitschiges Glitzerherz verkleidet auf die Bühne. Um die Liebe gehts, um das Sehnen, das Verschwenden der Jugend, um das eine Leben, für das man sich nicht entscheidet, sondern das man lebt (so hats uns neulich Emilio Estevez im Pilgerfilm „Dein Weg“ verklickert). Die Texte mögen sich manchmal schmal lesen, aber nachts und live und unter Miezes Charisma und Stimme erwachen sie zu Fleisch und Blut, werden nachgefühlt. Welche Stimme? Gut, die ist zwar chansonesk, dabei aber energisch, vorwärts, nie verzagt. Nur nicht meckern. War Debbie Harry ein Koloratursopran?

„Fallschirm“. „Aufruhr“. Die Band rockt und wird von 1600 Fans abgefeiert. Was passiert, erinnert an NDW und New Wave, als der den Groove entdeckte, an Blondies „Atomic“ und „Call me“. Gitarrist Andy Penn singt Roxy Musics „Love is the Drug“. Fühlt sich gut an.

Mieze ist ‘ne Ziege, heißt es. Merkt man nix von. Verübeln ist übrigens doof, Spießer! Das Erklären von Kunst aber auch, Künstler!

Bewertung: 4/5


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