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GESCHLAUCHTE TUBA:  Stephan Froleyks (li.) erzeugte die Klangwelten für Dieter Hufschmidts (re.) „Vogelnest“-Abend.

GESCHLAUCHTE TUBA: Stephan Froleyks (li.) erzeugte die Klangwelten für Dieter Hufschmidts (re.) „Vogelnest“-Abend.© Katrin Ribbe

Theater

"Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest": Dieter Hufschmidts biografischer Abend

Die Wörter, die mit weißer Kreide auf dem schwarzen Bühnenboden geschrieben stehen, verwischen mit der Zeit. Zwischen ihnen mehren sich weiße Fußabdrücke, bis der ganze Boden von ihnen übersät ist.

Hannover. Dieter Hufschmidt wandert an diesem Samstagabend in der Cumberlandschen Bühne über diese Wörter, mit denen er ein Stück seines Lebens verbindet. Der Regisseur und Schauspieler lädt die Zuschauer auf eine biografische Erinnerungsreise ein, die er - mal ernst, mal komisch - unter dem Titel „Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest“ zusammenfasst.

„Ich habe mein Leben noch mal neu zusammengefügt“, sagt der 77-Jährige, seit 1969 am Schauspielhaus, gleich zu Beginn. Dabei hat er der Sprache nicht nur eine hohe Bedeutung zugesprochen, sondern sie zum Teil dieses Lebens gemacht: Seine Erinnerungen aus vergangenen Zeiten verwebt er mit Gedichten von Ernst Jandl, Werkausschnitten von Heinrich Heine oder Paul Celan und Reimen von Wilhelm Busch. Mit den fremden Texten illustriert Hufschmidt seine ganz eigene Geschichte. Er lässt die Zuschauer nicht nur an seiner Beziehung zur Sprache, sondern auch an seinen Vorstellungen und Gedanken teilhaben. Dabei spielt er die Menschen aus seinem Leben und ebenso sich selbst und springt zwischendurch immer wieder aus seiner Rolle ins Jetzt, von wo aus er die einzelnen Lebensstationen spontan kommentiert.

Mit seiner Ausdrucksstärke, Mimik und Stimmpräsenz hält Hufschmidt die Zuschauer gefangen in seiner Welt: Wenn er von Kriegserinnerungen erzählt, verstummt das Publikum, bevor es wieder in schallendes Gelächter ausbricht, als er seine „Kommaneurose“ beschreibt.

Untermalt werden all diese Geschichten von Klangkünstler Stephan Froleyks, der auf Klaviersaiten mit einem Milchschäumer, einer Bürste oder einem Hammer Töne erzeugt, wenn er nicht gerade durch die mit Schläuchen und vier Trichtern versetzte Tuba bläst oder spricht. Dabei wird die Klangkunst zur Bühnenkunst: Jedes Requisit hat hier eine Funktion oder steht für einen besonderen Ort auf der Hufschmidtschen Reise.

Mit einer Zugabe und einer kurzen Kommentierung der Inszenierung verabschiedet sich Hufschmidt und bedankt sich mit Kusshand bei seinen begeisterten Mitreisenden. Und wenn sich diese nicht wie er an jedes Detail seines Lebens erinnern sollten: Hufschmidt hat ihnen an diesem Abend eine große Menge Sprachgefühl mit auf den Weg gegeben.

Bewertung: 5/5


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