Navigation:
Auf dem Sprung: Max Raabe kommt an diesem Wochenende mit seinem Palastorchester in den Kuppelsaal.

Auf dem Sprung: Max Raabe kommt an diesem Wochenende mit seinem Palastorchester in den Kuppelsaal.
© Foto: Handout

Interview

Max Raabes perfekte Momente

Einst klagte Max Raabe: „Kein Schwein ruft mich an“. Heute beschließt er: „Der perfekte Moment wird heute verpennt“. Im NP-Interview erlebten wir einen extrem aufgeweckten Musiker.

Hannover. „Der perfekte Moment wird heute verpennt“ heißt das neue Album von Max Raabe (54). Was der Sänger treibt, wenn er ausgeschlafen ist, erzählt er im NP-Interview.

Sie singen: „Der perfekte Moment wird heute verpennt“. Ist zu verpennen nicht der eigentlich beste Moment?

Man weiß es ja nicht ... Aber eigentlich geht es in dem Lied ja auch darum, dass man mal den Stecker herauszieht und sich ein wenig Ruhe gönnt und nicht das Gefühl hat, man würde etwas verpassen.

Können Sie das?

Man kann sich zwischendurch immer mal wieder ausklinken, auch auf Tourneen. Und wenn ich nicht auf Tour bin, kann ich es erst recht. Alles hat seine Zeit. Manchmal sage ich auch: „Macht mal!“ und lasse mir den Tag und die Woche zubauen. Wenn es etwas zu erzählen gibt, zum Beispiel jetzt über das neue Album, möchte man auch, dass die Leute davon erfahren.

Peter Plate, einer ihrer Songwriting-Partner bei diesem Album, hat von den Aufnahmen gesagt, das sei wie Urlaub gewesen. Haben Sie das auch so empfunden?

Es war sehr entspannt, sehr angenehm, sehr lustig. Wir haben ganz viel gelacht und dummes Zeug gemacht. Es war teilweise wie auf einer Klassenfahrt. Man muss schon konzentriert und diszipliniert sein, aber das schließt nicht aus, dass man Spaß hat.

Stimmt es, dass Sie jeden Tag Kaffee und Kuchen serviert haben?

Ich bringe immer Kuchen mit, das stimmt. Das hat Annette Humpe auch schon immer beklagt ...

„Beklagt“ hat sie das?

„Du immer mit deinem Kuchen“, hat sie gesagt und ihn dann doch gegessen. Ich mag das einfach; ich kenne das von Zuhause, dass es nachmittags Kaffee und Kuchen gibt. Das ist eine Form von Genuss.

Mit Annette Humpe haben Sie schon einiges aufgenommen. Wie hat sich die Dynamik verändert, als Peter Plate dazukam?

Die beiden haben nicht zusammengearbeitet. Ich habe mich regelmäßig mit Annette getroffen und geschrieben. Es war ihre Empfehlung, auch mal mit den Jungs von Rosenstolz zu arbeiten. Aber es ist nicht einfach, Peter Plate und Ulf Leo Sommer und mich unter einen Hut zu bekommen. Auch Achim Hagemann, der mitarbeitete, ist viel unterwegs. Und wenn die Anderen konnten, war ich meistens weg. Alle haben für sich gearbeitet; es hat aber auch fast drei Jahre gedauert, all diese Stücke zu schreiben. Die wussten voneinander, aber von ihren Stücken gar nichts. Die Atmosphäre war toll. Erst kurz vor Schluss haben wir uns alle getroffen und alle Stücke zusammen gehört.

Wie groß war das Hallo?

Es ging sehr respektvoll zu, und alle fanden die Stücke der Anderen gut. Wir alle sind streng und pingelig, auch und gerade mit unseren eigenen Stücken. Aber dort habe ich das erste Mal gemerkt, dass die Stücke sehr gut zueinander passen und wie aus einem Guss wirken

Welche Farbe haben Ihre neuen Partner hereingebracht?

Die Arbeitsweise ist in allen drei Kreisen eine jeweils ganz andere. Das fand ich interessant. Als ich das erste Mal mit den Jungs von Rosenstolz im Studio saß und hörte, was sie vorbereitet hatten, dachte ich: „Hoppala, der Beat haut mir ja den Kitt aus der Brille!“ Ich habe aber nichts gesagt, weil mir da die Geschichte und die Melodie des Songs wichtiger waren; der Rest findet sich, dachte ich. Ich wollte erst einmal loslegen. Das war auch gut so. Denn sie sind von selbst immer reduzierter geworden, weil sie den Text und meine Art zu singen nicht zudecken wollten. Wenn man sich aufeinander einlässt und guckt, was passiert, kommt man viel weiter, als wenn man erst einmal sagt: „Das geht nicht, und das geht nicht ...“

Sie waren vor kurzem mit großem Orchester in Hongkong, und Sie waren vor kurzem mit kleinem musikalischen Besteck in der Elbphilharmonie. Was hat Ihnen mehr Respekt abgenötigt? Und was hat mehr Spaß gemacht?

Alles hat Spaß gemacht. Wir werden ja nicht gezwungen nach Hongkong zu fahren (lacht). Es ist einfach eine irre Stadt, mit ihren Brüchen: Sehr nobel und schick an einigen Stellen, und ein paar Meter weiter gibt es diese traditionellen Märkte, und Dschunken fahren auf den Flüssen. Es ist schon irre. Das Klima ist wie eine Dampfsauna. Seltsame Dinge werden zu essen angeboten, aber alle sind sehr lecker. Und die Elbphilharmonie? Die hat eine zauberhafte Akustik, gerade für sehr leise Töne. Das habe ich sehr genossen.

Und nun kommen Sie nach Hannover, auf „Das hat mir gerade noch gefehlt“-Tour, was bedeutet, dass die Fans aussuchen durften, was gespielt wird. Was waren Ihre größten Überraschungen?

Platz eins war „La Mer“, ein Stück, das wir in Deutschland nie aufgeführt haben, nur in Frankreich ein paar Male. Sachen wie diese haben mich überrascht, andere hatte ich erwartet. So spielen wir nach ein paar Jahren eben auch wieder „Kein Schwein ruft mich an“. Aber vielleicht bauen wir von der neuen Platte auch das eine oder andere Stück ein, um zu gucken, wie das Publikum darauf reagiert.

Da das Programm nun mal so heißt: Was fehlt Ihnen denn noch?

Eigentlich gar nichts. Ich hätte vielleicht gerne weniger Wintermonate und mehr Sommermonate hier bei uns. Aber für den Wunsch sind Sie der falsche Ansprechpartner.

Max Raabe & Palastorchester live: an diesem Sonnabend ab 20 Uhr und am Sonntag ab 18 Uhr im Kuppelsaal. Karten (51,90 bis 81,90 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops.

Von Stefan Gohlisch


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie