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Kultur Matthew Graye: Ska satt vom Herrenausstatter
Nachrichten Kultur Matthew Graye: Ska satt vom Herrenausstatter
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00:16 06.05.2013
ES GEHT TREPPAUF: Matthew Graye haben seit gestern ihr Debütalbum in den Läden, die NP sprach mit Songwriter Simon Nowitzki (links).
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Hildesheim

War Matthew Graye nun ein vergessenes Ska-Idol oder eine literarische Figur wie Uriah Heep oder Jethro Tull? „Matthew ist ein Herrenausstatter, Graye ein umgangssprachliches Wort für Nüsse“, sagt Nowitzki. Sein belustigter Tonfall lässt aber vermuten, dass das ein Märchen ist.

Acht aus Hildesheim, pardon, der neue Drummer kommt aus Dortmund. Neben der klassischen Besetzung gibt’s noch Trompeter, Saxofonist und - als einzige Frau - Caroline Fabian an der Posaune. „Beton-Reggae“ und „Streber-Punk“ heißt, mit was die Ex-Gymnasiasten und Studis ihre Fans ausstatten. Ein Sound, der abgeht, Melodien, die leicht ins Ohr strömen, nicht so hart und taff wie Brit- oder Karibik-Ska, alles deftig poppig. Zwar verfolgt man parallel den Plan B einer ordentlichen Ausbildung, glaubt aber fest an den Sieg der MG-Musik. Auf dem Cover des Debütalbums (seit Freitag bei 25 Music, Hot Shot Records, Ohrwurm, Rockers, Monster Records und via Band-Website) hängt denn auch schon mal pro forma eine Goldene Schallplatte an der Wand.

„Ein weiter Weg“, sagt Nowitzki, „aber wir arbeiten hart.“ Plan B hat die Grayes wohl verstreut - nach Hannover, Magdeburg, Aachen, überallhin, „aber wir verlangen von uns gegenseitig, der Band den Stellenwert einzuräumen, den sie braucht.“ Seit den Anfängen - Gitarrist Simon kennt Sänger Simon Bittner seit der 7. Klasse, man verstand sich anfangs gar nicht, näherte sich aber in einer Klasse mit 23 Mädchen und drei Jungs zwangsläufig an - ist man eine Familie geworden. Das Credo: „Wir würden auch nach Superhype und tiefem Fall weiterhin Musik zusammen machen. Unsere Stärke ist unsere Einheit, unsere Tiefe.“

Die haben auch Nowitzkis Texte. Es wird mit einem gewissen Witz problematisiert, dem Hörer werden keine simplen Lösungen aufgedrückt. „Er soll nachdenken, selber entscheiden.“ Das Spektrum reicht von „Zu nett“ (über Kerle, die alle Frauen kriegen - aber nur zum Ausheulen) über die Single „Blau-weiße Welt“ (Facebook, nicht Bayern) bis zu „Achtung, Idioten!“, wo man die neuen Nazis ins Visier nimmt. Vorbilder sind „unser Textgott“ Farin Urlaub und die Skatruppen Sondaschule und Irie Revoltés.

Ein Stück Wegs ist abgeschritten. MG haben Preise gewonnen, was Profi-Coachings einbrachte, unter anderem mit Jens „Wir sind Helden“ Eckhoff. „Das hilft viel. Wir haben gelernt unsere Kreativität zu fokussieren, uns zu sammeln, einen Sound, eine klare Linie zu finden“ Nur einen Fehler dürfe man nicht machen. „Sich darauf verlassen, dass einen solche Wettbewerbe nach oben spülen, dass man automatisch hängenbleibt. Da stirbt man schnell.“

Und weil MG nicht „gestorben“ sind, rocken sie uns schon bald live, und zwar

  • Freitag, Samstag, 20 Uhr, im Lux (neben dem Capitol). Abendkasse: zehn Euro
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