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Ein verrücktes Paar: Mary Roos und Wolfgang Trepper.

Ein verrücktes Paar: Mary Roos und Wolfgang Trepper.
© Christian Behrens

Schlagerrevue

Mary Roos steht auf „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“

Schlager mit Schlagseiten: Sängerin Mary Roos und ihr Bühnenpartner Wolfgang Trepper amüsierten mit der respektlosen Revue „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ im Theater am Aegi.

Hannover. „Die Blume aus Bingen! Die Helene Fischer aus der Bronzezeit!“ – die, die hier so abgefertigt wird, heißt Mary Roos, ist Schlagerikone, Grand-Prix-Routinier und die einstige Hitparaden-Queen im ersten und zweiten deutschen Fernsehen. Und der, der hier im Theater am Aegi so harsche Urteile fällt, ist ihr Kollege Wolfgang Trepper.

Er humpelt schwer, hat er sich doch kürzlich die Achillessehne verletzt. Jemand aus der ersten Reihe reicht ihm eine Krücke auf die Bühne. 1:0 für den Zuschauer. Und auch Mary Roos kränkelt. Sie schleppt sich mit einer Bronchitis auf die Bühne. Das wird auch von Trepper in seinem Intro so angekündigt. Und tatsächlich, Mary ist schwach bei Stimme.

„Nutten, Koks und frische Erdbeeren“, Titel dieser Schlagerrevue, soll eine Forderung aus einem Heino-Vertrag sein. Mit den 60er Jahren fangen die beiden an. Also, eher der Trepper. Denn er reißt die Show an sich, muss es wohl auch, und hält e Selbstgespräche. Schlager-Comedy mit Anekdoten und Plaudereien aus dem Nähkästchen über heilige und gebrochene Schlagerhelden.

Das ist Musikgeschichte live, wer wusste schon, dass die Hitparade jedes Jahr zweimal auf Deutschland Tournee ging, inklusive Hotelzimmern in den schnödesten Bahnhofherbergen. Diese Infos hat er drauf, der Schlagerexperte. Und fällt derweil derbe Sprüche über Andrea Berg, die mag er wohl gar nicht: „Sie sieht aus, als hängt sie lattenstramm über einen Tresen“.

Ein Dieter Thomas Heck wird jedoch von ihm gefeiert. Aber: „Udo Jürgens hat man uns genommen, Bernhard Brink ist kerngesund!“, jammert Trepper frech und provokant und oftmals auch beleidigend.

Der vierköpfigen Schlagerband – „sie kommen aus Polen“ – versagt er den Beifall, „die verstehen eh kein Deutsch“. Und Roos sitzt daneben. Ruhig, aber belustigt, ab und zu streut sie Stichwörter für ihren Partner ein und sieht dabei sehr gut aus. Trotz Malaise. Sie schafft es, insgesamt fünf Lieder anzustimmen, bekommt dabei die Höhen nicht mehr, lässt viel das Publikum singen, das macht begeistert mit.

„Die Olympia-Botschafterin von Berlin 1936!“ – mit ihrem Alter (68) neckt Trepper die Roos immer wieder und sehr gemein, das gehört zur Revue, da müssen Grenzen übertreten werden. Die über 1200 Schlagerfans kringeln sich und lachen lauthals. Trepper disst alle, hält Monologe über das Format von der Kassette und Chris Roberts. Zu „Bleib’ wie du bist“ holt Roos den Michael, einen Zuschauer, auf die Bühne, tanzt mokant mit ihm. Dafür erhält sie rote Rosen von einem Fan. Das Fazit der beiden – „Die Erinnerung macht ein Lied so besonders“ – stimmt. Zum Abschluss gibt es ein großes Lob für Mary Roos: Sie hat durchgehalten, stehende Ovationen der Schlagerfans.

Von Kai Schiering


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