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Kultur Marla Glen singt in der Blues Garage in Isernhagen
Nachrichten Kultur Marla Glen singt in der Blues Garage in Isernhagen
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11:02 04.10.2010
Abwechslungsreich, nie beliebig: Marla Glen. Quelle: Kristoffer Finn
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"Bin ich das?“, fragt Marla Glen ein wenig süffisant. Und deutet auf ein Gemälde im Bühnenhintergrund. Sie ist es tatsächlich. Und sie ist in guter Gesellschaft. Ein Jimi-Hendrix-Gemälde, eine überdimensionale Les-Paul-Gitarre und das berühmte Frank-Zappa-auf-dem-Klo-Poster hängen dort. Wrackteile von Straßenkreuzern komplettieren das Bild. All das signalisiert: Hier in der Blues Garage in Isernhagen H. B., kurz vor der Autobahn, ist amerikanische Musikkultur besonders authentisch zu erleben.

Eine authentische Bluessängerin aber ist Marla Glen bestimmt nicht, auch wenn sie in Chicago groß geworden ist und die Musik von Muddy Waters und B. B. King quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat. Die Frau in Männerkleidern mit dem ausgefeilt androgynen Image, dem Neunziger-Hit aus der Textilwerbung („Believer“) und ihre brav wirkende, zehnköpfigen Band in Abendgarderobe – das will irgendwie nicht zu dieser zum Wallfahrtsort des Bluesrock umgebauten Industriebrache passen.

Der Gast bleibt konsequent: An diesem Abend spielt Glen nur ein reinrassiges Bluesstück. Das aber mit allem, was dazugehört: in Zwölftaktform gegossener Weltschmerz plus obligatorischem Mundharmonikasolo.

Den Rest des zweistündigen Konzerts füllen viel Soul, viel Pop, ein wenig Funk im biederen Discobeat, Reggae und auch ein wenig Chanson. Abwechslungsreich ist das. Aber nie beliebig. Mit ihrer Schmirgelstimme, die arg limitiert ist, aber eben auch einzigartig, hat sie das Publikum von der ersten Sekunde an auf ihrer Seite. Auf Partynummern mit politischer Botschaft wie „Jesus Christ And Rodney King“ folgen Balladen wie James Browns „It’s A Man’s World“, auf ausgelassene Soulhymnen mit Bad in der Menge nachdenkliche Beziehungsanalysen.

Glen nimmt sich die Freiheit, zu tun und zu singen, wozu sie Lust hat. Dazu zählt mehr als nur der Blues. Ihre Rolle als Außenseiterin in einer normierten Popwelt jedenfalls füllt die Dame mit Hut immer noch mit großer Überzeugungskraft. Davor darf man schon mal seinen Hut ziehen.

Bernd Schwope

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