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Kultur "Männer im Wasser" - Schweden schwimmen oben
Nachrichten Kultur "Männer im Wasser" - Schweden schwimmen oben
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12:58 19.08.2010
Fredrik (Jonas Inde, vorne) und seine Kindskopf-Clique wollen sich anfangs nur einen Jux machen.
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VON MATTHIAS HALBIG

Fredrik ist einer jener Machos, die das mit dem Rebellentum nie lernen. Ein Kopf-durch-die-Wand-Typ, ein Meister des verletzten Stolzes, ein Verlierer. Hat seinen Redaktionsjob gekündigt, weil er sich von der Chefin gemobbt fühlte. Wer aber hinschmeißt, kriegt keine Abfindung, jetzt hängt er in den Seilen, und nun werfen sie ihm auch noch seine Hockeymannschaft aus der Halle. Wegen eines Weiberteams! Sakra!

Seine Tochter Sara ist Synchronschwimmerin, definitiv kein Sport in Fredriks Augen. Erst als er Bilder von Männern sieht, die Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Meisterschaften ausfochten, stellt er fest: „Die sehen ja alle kein bisschen schwul aus!“ Da kommt die Idee auf, mit seinen Jungs schwimmend Geld zu verdienen, um sich eineHo­ckeyhalle leisten zu können. Man will sogar an der WM in Berlin teilnehmen, was angesichts der ersten ungelenken Plantschereien als unstatthafter Hochgriff erscheint. Aber Sara, gespielt von der süßen Amanda Davin, wirds als Coach schon richten.

Genau. Peter Cattaneos „Ganz oder gar nicht“ stand Pate, der Film um Kerle, die zu Strippern werden. Mans Herngrens tollkühne Schweden vom Wasserballett sind nun nicht ganz so lustig wie die blankziehenden Briten, der Verlauf der Geschichte ist aber ebenso absehbar. Es geht um die Tristesse des Mittlebens, um Freundschaft, Verrat und den Triumph der Freundschaft. Um Väter und Töchter und um Männer und Ehefrauen. In Gegenwart seiner erfolgreichen Ex Lotta wird Fredrik (Jonas Inde erringt unser Mitgefühl) zu einem nickenden Nichts, bejahend den fremden Willen, verachtend sich selbst.

So schlicht und lebensnah ist das gefilmt, dass einem manchmal nur die (wunderbare) Musik der schwedischen Alternative-Band Soundtrack of our Lives vor Ohren hält, dass man einem Film beiwohnt. Die Wendungen sind zwar gelegentlich überraschend, wirken aber oft auch beliebig, und dass sich niemand vorab mal das WM-Reglement angeguckt hat, ist so dramatisch notwendig wie unglaubwürdig. Der spät zu den Beckenwirblern stoßende Norweger Jammo ist der Quotenschwule, der natürlich, dem Klischee Folge leistend, durchs Wasser tanzt wie ein Nix. Was fehlt, sind Einblicke ins Privatleben der anderen Wasserballettratten. Einmal keift ein Hausdrachen: „Warum hast du keine normale Midlife-Crisis? Lass dir die Brustwarzen piercen!“ Das ist aber zu wenig, mit Verlaub.

Über das Ende lässt sich streiten. Eigentlich ist es keins, aber wenn Herngren realistisch weitererzählt hätte, hätte der Verein der Emanzipationswilligen einen dicken Dämpfer bekommen. Und alle anderen Enden hätten eines unpassenden „und wenn sie nicht gestorben sind“ bedurft.

„Männer im Wasser“, Schweden 2008, 100 Min. Regie: Mans Herngren. Darsteller: Jonas Inde, Andreas Rothlin-Svensson, Amanda Davin.

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