Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur M'era Luna: Hildesheims Düsterrockfest hat sich aufgehellt
Nachrichten Kultur M'era Luna: Hildesheims Düsterrockfest hat sich aufgehellt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:30 09.08.2010
Für M'era-Lunisten ist ein glamouröses verwegenes Outfit Verpflichtung.
Anzeige

VON SEBASTIAN SCHERER

HILDESHEIM. Am Ende springen sie doch, fast alle, im Rhythmus. Unheilig, Sonnabend beim „M’era Luna“. 24 000 Menschen, das größte Treffen der schwarzen Szene im Norden. Und für Unheilig nicht leicht. Es ist eine Band, die ein bisschen in der Zwickmühle steckt. Jahrelang schlitterte sie am Rande des großen Erfolgs entlang, in der Szene ist man aber schon jemand, ist man glaubwürdig. Wenn dann aber plötzlich der große Hit kommt, bei Unheilig „Geboren, um zu leben“, und statt einer ausgewählten Fangemeinde plötzlich auch der Formatradiohörer im Saturn-Markt nach der neuen Platte fragt, wird die Band Kommerz. Wie soll der frühe Fan das Ende der Exklusivität ertragen?

Exklusivität ist beim „M’era Luna“ ein entscheidender Faktor. Das große Schaulaufen hat eingesetzt, die schwarze Szene zeigt sich von ihrer besten Seite: Mittelalterliche Kleider treffen auf Gasmasken als Modeaccessoire, Satingewänder auf Vampirzähne, Lady Gaga auf den Lord der Finsternis. Auffallen ist wichtig, noch wichtiger nur der eigene Stil – noch abgefahrener, noch außergewöhnlicher als der Rest zu sein.

Auf der Bühne Wave, Go­thic, die Band Rabenschrey hat erst vor kurzem begonnen, Lauten und Trommeln mit Elektronik zu kreuzen, eine Musikrichtung, die die Kanadier von Skinny Puppy schon seit zwei Jahrzehnten mit Industrial vermengt aufs Publikum loslassen. Placebo um den androgynen Brian Molko, die ihre nach 14 Jahren doch ansehnliche Hitauswahl („Song to Say Goodbye“, „The Bitter End“) mitgebracht haben. Und eben Unheilig. Die Stars in einer Szene, in der Abgrenzung zur Masse so wichtig ist wie der Glaube an ein neues „Sisters ofMercy“-Album groß – seit 1993 lassen sich die Wegbereiter des Gothic-Rock dafür Zeit, reißen das „M’era Lu-na“-Publikum aber auch 2010 ohne neue Platte mit.

Und natürlich funktionieren auch Unheilig auf der großen Bühne. Allerdings ist bei manch altem Gothic-Hasen die Enttäuschung schon groß, dass der Name des Sängers, „Der Graf“, zwar nach dunkler Burg klingt, neue Singles aber inzwischen auch gern schreienden Teenies beim kunterbunten Pop-Event „The Dome“ vorgestellt werden. Aber wieso auch nicht? Der Graf ist charismatisch, nimmt das Publikum mit, fordert zum Springen auf, und die schwarze Masse springt. Der Graf rockt imAnzug auch die alten, die ‚echten’ Sachen – und am Ende wird eben doch aus dem „Geboren, um zu leben“-Kinder- ein „M’era Luna“-Chor. Der größte in der Geschichte des Festivals, so viele Besucher wie 2010 waren noch nie da. Zu groß, klagen die einen. Endlich das, was es verdient, finden die anderen. Im Prinzip wie bei Unheilig.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die neueste technische Innovation der Filmbranche kurbelt den Umsatz der deutschen Kinos an: 3-D-Filme wie „Avatar– Aufbruch nach Pandora“ und „Alice im Wunderland“ hatten im ersten Halbjahr 2010 die meisten Besucher.

08.08.2010

Wer im Supermarkt an der Kasse warten muss, verliert schon nach wenigen Minuten leicht die Nerven. Für eine Kunstausstellung dagegen stellen sich viele Menschen freiwillig stundenlang in eine Schlange. Warum?

08.08.2010

Schwarze Kostüme, blutrünstiges Make-up und düstere Klänge: In Hildesheim hat am Samstag das M’era Luna-Festival begonnen. Mit mehr als 20 000 Fans von Gothic-, Darkwave- und Alternative-Rock ist es nach Angaben der Veranstalter das größte Treffen der schwarzen Musikszene in Europa. Bis Sonntag werden dort mehr als 40 Bands auf zwei Bühnen stehen.

07.08.2010
Anzeige