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Kultur Kabarett-Duo bekommt viel Applaus für Premiere
Nachrichten Kultur Kabarett-Duo bekommt viel Applaus für Premiere
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00:20 09.03.2018
„Gleich knallt’s“: Wiebke Eymess und Fridolin Müller. Quelle: Foto: Simon
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Hannover

 Sie sind frech, sie sind romantisch, sie halten dem Publikum den Spiegel vor: Wiebke Eymess und Fridolin Müller haben sich als Kabarett-Duo den sperrigen Namen „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ gegeben – ihre Kunstform aber ist voll aus dem Leben gegriffen. „Gleich knallt’s“ heißt das neue Programm, das sie bei der Premiere im Apollo-Kino in Linden unter viel Applaus vorstellten. Der Funke ist übergesprungen.

Bei dem real-fiktiven Paar, das auch jenseits der Bühne zwei gemeinsame Kinder hat, geht es nicht um „die da oben“. Politisches Kabarett bringen sie trotzdem auf die Bühne, auch wenn die Seitenhiebe auf Merkel und Co. dezent gesetzt sind – zum Beispiel im ohrwurmhaften Song über „Alte weiße Männer“, die an den Schalthebeln von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft sitzen.

Das Thema der Fensterbänkler sind eher die Irrungen und Wirrungen des Alltags. Ging es im zweiten Programm „Paradiesseits“ noch um die Sehnsucht nach einem besseren Leben im Grünen, wird nun knallhart Bilanz gezogen: Eymess und Müller sind tatsächlich vor explodierenden Mieten in Hannovers Oststadt geflohen – „aber auch Dörfer mit Bäcker und Bahnhof waren zu teuer“. Mit den Hochglanzbildern in der „Landlust“ (Müller: „Das ist Porno für Frauen“) hat es aber wenig zu tun, wenn man seine Brötchen an der Tanke kaufen muss, um einen herum Glyphosat auf Monokulturen ausgebracht wird und nirgendwo ein Vogel zwitschert. Ihre Denkanstöße bringen die beiden charmant-frotzelig und vor allem musikalisch rüber: „Stumm, stumm, stumm, kein Bienchen summt herum“, intonieren sie das Kinderlied.

Die Rollenverteilung scheint klar: Eymess ist die „Öko-Trulla“, deren Assoziationsketten irre Volten schlagen, Müller der Realo. Da kann die Suche nach einem Filmtitel schon mal den Bogen von Leibniz zu Darwin, von russischen Raumfahrtpionieren zum amerikanischen Donut schlagen. Wer in einer Beziehung lebt, wird in den liebevollen Frotzeleien viele Streitthemen wiedererkennen. Sei es die lange Sitzung auf dem Klo, Intimrasur oder Netflix als „alternatives Verhütungsmittel“. Doch wenn sich beide eine Gitarre teilen und verschmust Bossa Nova spielen, dann ist die Welt wieder in Ordnung. Der große Knall kann warten.

Von Andrea Tratner

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