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Kultur Leiser Horror: "Der letzte Exorzist"
Nachrichten Kultur Leiser Horror: "Der letzte Exorzist"
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11:43 30.09.2010
Blutige Anfängerin: Nell (Ashley Bell) hat seltsame Tanzschritte drauf.

VON LAURENZ LIERENZ

Die Teufelsaustreibung läuft immer gleich: Kreuzbraves Mädchen trübt plötzlich Weihwasser, liegt im Bett, kann den Kopf um 180 Grad drehen, spuckt grün und wirft einem Austreibungssprüche klopfenden katholischen Priester als Antwort derbstes Unterleibsvokabular an den Kopf. Wobei man inzwischen ja weiß, dass viele Talarträger sich da viel besser auskennen als bislang angenommen.

Bei dem in Hollywood drehenden HamburgerRegisseur David Stamm hat der Exorzist nun das Austreiben satt, ein letztes Satan-Weiche! noch für ein Doku-Filmteam, das ihn porträtieren will, dann ist Schluss mit Luzifer. Denn der Reverend Marcus fühlt sich nicht nur wie ein Scharlatan, er ist einer. Auf der abgelegenen Farm trifft er ein schwangeres Mädchen an, das im Schlafe besessenheitsähnlichem Wahnsinn zu verfallen scheint. Er behandelt auch gleich den Vater mit, dem er den Schnaps austreiben will, was ein indirekter Exorzismus ist, denn – so weiß man schließlich von Udo Jürgens – „der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns zu verderben“.

Rituale. Alles mit Handkamera gefilmt. Alles sieht aus wie eine der wackeligen Dokus von Privaten und läuft gaaanz langsam an. Wovon der Fan von konventionellem, blutigem Popcorn-Horror wieder seine Blair-Witch-Pickel bekommt. Der Liebhaber des guten, leisen Grauens indes wird bald von köstlichstem Unbehagen befallen. Warum schaut das Mädchen bloß immer so seltsam Richtung Kamera. Was oder wen sieht es da? Antwort: im Kino.

Überraschende Wendungen. Mehr Grauen. Gänsehaut! Patrick Fabian ist superb als falscher Prediger, Ashley Bell ist die Verkörperung der Südstaatenweiblichkeit. Das Ende fällt dann wie ein Hammer. Kein guter Hammer, denn er haut das meiste Vorherige kaputt.

„Der letzte Exorzismus“, USA 2010, 87 Min. Regie: David Stamm. Darsteller: Patrick Fabian, Ashley Bell, Tony Bentley.

Das beste Böse kommt auf leisen Sohlen. Hier sind es ganz leise.

Bewertung: 3/5

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