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Üppig: „Die Nacktheit“ (1908) von Lovis Corinth.

Üppig: „Die Nacktheit“ (1908) von Lovis Corinth.
 © Landesmuseum

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Landesmuseum zeigt sich „nackt und bloß“

Der Akt in der Kulturgeschichte: In seiner Ausstellung „nackt und bloß“ widmet sich das Landesmuseum, ausgehend vom eigenen Bestand, dem menschlichen Körper in der Kunst.

Hannover.  „Wer Akt zeichnen kann, kann auch alles andere zeichnen“ – für Lovis Corinth war die Aktmalerei neben seinem malerischen Markenzeichen auch eine Art Schlüssel zur schönen Kunst. Kuratorin Barbara Martin leitet durch die Ausstellung „nackt und bloß“, die am 26. Februar im Landesmuseum eröffnet wird, und zeigt die wichtigsten der 72 Exponate, die sämtlich der Aktmalerei um das Jahr 1900 gewidmet sind.

Der ostpreußische Impressionist Corinth und dessen „große Meisterschaft in der Wiedergabe“ menschlicher Körper sind immer noch von größter Bedeutung für die Aktmalerei, seine ganz eigenen Interpretationen antiker und moderner Aktmotive Aufhänger auch dieser Ausstellung. Das zeigt schon das erste Exponat „Die Nacktheit“: Corinth nimmt das klassische Venus- und Amormotiv auf, zeigt aber eine irdische Frau, die den Betrachter sinnlich anblickt.

„nackt und bloß“ zeigt den bemerkenswerten Bestand des Landesmuseums an Corinth-Werken, viele seiner Zeichnungen werden in den Räumlichkeiten im zweiten Stock zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Drumherum präsentiert die Ausstellung Leihgaben der Berliner Universität der Künste, des Sprengel Museums und des Wuppertaler Von der Heydt-Museums – ein Bronzeguss einer Tänzerin von Edgar Degas erwartet die Besucher ebenso wie Gemälde von Paul Cézanne und Zeichnungen Paula Modersohn-Beckers, die das Schaffen in der Aktmalerei um die Jahrhundertwende illustrieren sollen.

„Vieles kommt aus Sammlungen der Bürgerschaft“, freut sich Jost Merscher, Vorsitzender der Kunstfreunde Hannover. Die Direktorin des Landesmuseums, Katja Lembke, fügt hinzu, dass das Landesmuseum die größte Sammlung deutscher Impressionisten um 1900 besitze. „nackt und bloß“ sehe das Museum auch als ein Entrée, um den Besuchern die restlichen Ausstellungen zu servieren – im Eintrittspreis der Sonderausstellung sind die Sammlungen inklusive.

Um die Motive der Maler näher kennenzulernen, bietet das Landesmuseum Workshops: Aktzeichnen für Jugendliche stehen auf dem Programm, außerdem das Projekt „Bloß nicht nackt!“, bei dem den Menschen auf Corinths Bildern mit Farbe, Nadel und Faden neue Anziehsachen gebastelt werden. Sonderführungen bringen einzelne Themenbereiche der Exponate näher: Voyeurismus in „Bad und Boudoir“, der inszenierte Kampf zwischen den Geschlechtern – eine Kostümführung mit Lovis Corinths Gattin Charlotte gibt Besuchern sogar einen Einblick ins Privatleben des Malers.

Während seines Schaffens polarisierte Corinth, man sah entweder gemalte Sinnlichkeit oder Geschmacklosigkeit – die Nationalsozialisten verfemten sein Spätwerk als „entartete Kunst“, zerstörten Corinths abstraktere Gemälde. Im Landesmuseum wird der Betrachter herausgefordert, sich mit den Bildern auseinanderzusetzen und am Ende seine Meinung abzugeben: Dass die Aktmalerei mehr ist als bloß Bilder von nackten Menschen, ist die Botschaft, die „bloß und nackt“ eindringlich vermittelt.

Von Lilean Buhl


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