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Kultur Landesmuseum zeigt ab heute den Goldschatz von Gessel
Nachrichten Kultur Landesmuseum zeigt ab heute den Goldschatz von Gessel
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09:55 23.08.2013
VERBORGENES GEHEIMNIS: Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass dieses Gold aus Afghanistan stammt.
Hannover

Gold voller Geheimnisse: Wo kam es her, wer hat es vergraben, wofür war es überhaupt gedacht? Das Landesmuseum präsentiert ab heute einen Jahrhundertfund: den Goldschatz von Gessel - aufgetaucht bei der Verlegung der Norddeutschen Erdgasleitung (NEL, siehe unten). Titel: „Im Goldenen Schnitt - Niedersachsens längste Ausgrabung“.

117 Stücke aus purem Gold, die es schaffen könnten, dass die Geschichte der Bronzezeit umgeschrieben werden muss. Denn die ersten Analysen (vom Institut für anorganische Chemie der Leibniz-Uni) ergaben, dass das Edelmetall aller Wahrscheinlichkeit nach aus Vorderasien stammt. „Unglaublich“, so Stefan Winghart, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, „wir haben nie damit gerechnet, dass es schon damals so weite Handelswege gab.“

Global vernetzt, die Menschen der Bronzezeit holten ihr Gold aus dem heutigen Afghanistan und transportierten es über Ägypten und den Balkan nach Norden - bis es in Niedersachsen ankam. Schmuck wie Armreife und Fibeln, der Schatz umfasst aber auch etliche Spiralen. Eine Art überregionales Zahlungsmittel, vermuten die Wissenschaftler, so etwas wie der Euro der Bronzezeit.

Angst vor Dieben, selbst Diebesgut oder Teil einer kultischen Handlung? Niemand weiß, warum der Schatz vor 3500 Jahren in einem Leinensäckchen und sorgfältig mit einer Bronzenadel verschlossen in der Erde vergraben wurde.

Zu zeigen, was archäologische Funde uns mit Hilfe modernster Technik alles erzählen können, ist auch Absicht der Ausstellung. Dieser Schnitt durch 11 000 Jahre Menschheitsgeschichte ist ansprechend inszeniert. Erst gehts durch zwei stilisierte Erdgasröhren-Stücke, im zweiten Raum wird der Verlauf der Trasse - und was durch sie alles gefunden wurde - an acht Multimedia-Inseln anschaulich gemacht. In einem Durchgang schimmert wie unter Wasser ein mächtiger Kupferschatz, den eine um 1450 gebaute Kogge transportiert hat und der auch für den Handel mit Metallen steht. Bis es zum Abschluss in die halbdunkle Schatzkammer voller Gold geht. Angereichert wird die Präsentation durch ausgewählte Stücke aus dem Bestand des Landesmuseums, aber auch durch Leihgaben aus Wien, die dem Goldschatz von Gessel erstaunlich ähneln.

Und wer sich auch einmal als Archäologe versuchen möchte: Mit einem Metallsuchgerät sind in einem Kunstrasen verborgene Schätze aufzuspüren.

Bewertung: 5/5

Bis 2. März. Katalog: 14,90 Euro. Mit der Eintrittskarte (8 Euro) gibt es ermäßigten Eintritt in der Kestnergesellschaft zu „Der Schein - Glanz, Glamour, Illusion“.

WEM GEHÖRT DER SCHATZ?

Wie viel ist der Goldschatz überhaupt wert? Er wiegt komplett gut 1,7 Kilogramm, Materialwert etwa 80 000 Euro und ansonsten unbezahlbar. Laut Gesetz gehört der Schatz dem Land Niedersachsen, das ihn komplett an sein Landesmuseum übergeben wird.

Wo wird er gezeigt? An zwei Orten: natürlich im Landesmuseum, gleichzeitig in einem Museum in Syke, das dafür extra einen Neubau errichten wird. Syke deshalb, weil der Fundort Gessel in der Nähe liegt. In Syke wird eine naturgetreue komplette goldene Nachbildung zu sehen sein – angereichert durch ausgewählte Originale aus dem Bestand des Landesmuseums.

Wie lange wird die Erforschung des Schatzes noch dauern? Hannovers Landesamt für Denkmalpflege rechnet mit mehreren Jahren, bis die meisten Geheimnisse des Goldes entschlüsselt sind.

Milliarden-Rohr fürs Erdgas aus Sibirien

Die Norddeutsche Erdgasleitung (NEL) ist 400 Kilometer lang, kostet eine Milliarde Euro und läuft 200 Kilometer durch Niedersachsen. In einer Breite von 36 Metern wurde die Erde aufgegraben und vor Vorlegung der Rohre archäologisch untersucht. Am 1. November wird die Pipeline in Betrieb genommen. Das Rohr transportiert Erdgas und ist Teil einer Verbindung zwischen Sibirien und Westeuropa. In Deutschland verläuft die Trasse zwischen Greifswald und dem niedersächsischen Rehden, von dort aus verzweigt sie sich in Richtung Holland, Belgien und Frankreich sowie in südlichere Bereiche Deutschlands. In Niedersachsen wurde bei den Grabungen am meisten gefunden – Hinweise auf gut 150 Siedlungen. „Wir haben dabei eben Glück gehabt“, so Stefan Winghart, der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege.

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