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IRRSINN MIT METHODE: Scheich Muhammad (Amr Waked) versucht zusammen mit Fred (Ewan McGregor) und Harriet (Emily Blunt), das Unmögliche möglich zu machen.

IRRSINN MIT METHODE: Scheich Muhammad (Amr Waked) versucht zusammen mit Fred (Ewan McGregor) und Harriet (Emily Blunt), das Unmögliche möglich zu machen.© Concorde

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Filmkritik

"Lachsfischen im Jemen" - Lasse Hallströms neue Britkomödie

Ein Scheich will das „Lachsfischen im Jemen“ einführen. Eine scheinbar idiotische Idee, hinter der aber eine große Vision steckt (die Ewan McGregor und Emily Blunt zudem erlaubt, ein Paar zu werden).

Hannover. Sieht man Fred und Mary gemeinsam in Eros‘ Armen, weiß man, dass hier zwei das Liebesoptimum noch nicht erreicht haben. Oben liegt Fred und ruckelt. Unten liegt seine Frau Mary und wird geruckelt. Wenn dann alles Ruckeln vorbei ist, sagt Mary: „Das sollte eine Weile vorhalten.“ Und Fred sagt „Danke, Mary!“ Britsex nach Maß.

Wenn sich später Harriet, die Finanzberaterin eines jemenitischen Scheichs, und unser Fred, ein Lachsexperte, zum ersten Mal sehen, weiß man sofort, dass am Ende ein Paar aus ihnen werden wird. Trotz Ruckel-Mary und trotz Robert, Harriets Soldat, der in Afghanistan vermisst und wieder gefunden wird und bei dessen Auftauchen man zu raten beginnt, welcher Boygroup er wohl entsprungen sei (Antwort: keiner). Harriet wird von Emily Blunt gespielt, in deren Bergseeaugen jeder, auch der von Ewan McGregor gespielte, an Asperger leidende Fred, ersaufen muss. Ja, es ist ein weiteres Mal schön, McGregor beim Sichverlieben zuzusehen. Und er spricht hier auch wieder Schottisch, jenes reizende Schwyzer English, das er seit „Trainspotting“ nicht mehr so ausgekostet hat. Eine Romanze nach Maß.

Eigentlich gehts in Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ ja aber um den Scheich (Amr Waked), den jeder, auch das Publikum, anfangs für einen attraktiven Irren hält. Er will Lachse im wasserarmen Jemen heimisch machen, in Wüstenfische verwandeln - Schnapsidee. Das sagt Fred frank und frei, lernt dann aber einen großherzigen und weisen arabischen Prinzen kennen, einen Menschenfreund, der nach einer Zukunft für sein Volk für die Zeit nach dem Erdöl sucht. Und der dafür beinahe mit dem Leben bezahlen würde, gelänge es nicht Fred mit einer Snake-Roll seiner Angelrute, den islamistischen Untergrund an- und abzuhaken. Und weil man den Prinzen ins Herz schließt, sind es auch seine kalten, zappelnden Fische, die einen in zwei Szenen näher an den Papiertaschentuchgebrauch führen als die zeitweilig traurige Harriet-Fred-Annäherung. Ein Märchen nach Maß, das alle verzaubern kann. Ausnahme vielleicht jemenitische Kinogänger, die den Scheich und den Regisseur für zwei ihren armseligen Lebensumständen spottende Irre halten könnten.

„Lachsfischen ...“ ist ein Film für all die, die Hallströms „Gilbert Grape“ und sein „Chocolat“ mochten, ein Film über den Glauben, der Fische versetzen kann. Dass die Vorlage von Paul Torday eine Satire war, will der Schwede aber nicht unerwähnt lassen, und so tritt Kristin Scott Thomas auf den Plan, die Nachrichtenchefin des britischen Premiers. Die braucht positive Nachrichten aus dem Mittleren Osten und fördert den Lachsjux, bis ihr klar wird, dass 10000 Salme aus Britgewässern ihren Chef am Ende zwei Millionen Wählerstimmen wütender Hobbyangler kosten könnten. Scott Thomas optimiert Wirklichkeit, sie ist eine brutale Generalin des Worts. Der Film wird unstimmig durch sie, die Zahl der Lacher aber erhöht sich massiv. Wie die der Lachse im Jemen.

Bewertung: 4/5


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