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DA KOMMT WAS INS ROLLEN: Regisseur Jürgen Kuttner in einem der transparenten Zorb-Bälle.

DA KOMMT WAS INS ROLLEN: Regisseur Jürgen Kuttner in einem der transparenten Zorb-Bälle.© Sebastian Mast

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Schauspiel

Kuttner inszeniert "Ein Staat, ein guter Staat"

Das schillernde Spiel mit der Politblase. Jürgen Kuttner inszeniert die Polit-Operette „Ein Staat, ein guter Staat“ nach Jura Soyfers „Astoria“ im Schauspielhaus

Hannover. Der Titel verleitet zum fröhlichen Weitersingen: „Ein Staat, ein guter Staat“ heißt die Polit-Operette von Jürgen Kuttner, die am Sonnabend im Schauspielhaus Premiere hat. „Das soll man ruhig zu Ende denken: ,Das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt‘“, sagt Kuttner und freut sich, „ich finde es passend, die Staatsfrage so mal ins Bewusstsein zu rücken: Was bedeutet uns Staat? Wir sind heute in einer Art Double-Bind-Situation gefangen: Man möchte so wenig Staat wie möglich - erlebt aber, und nicht positiv, wie sich der Staat aus seinen elementaren Zuständigkeiten verabschiedet, Aufgaben der öffentlichen Versorgung wie Wasser oder Verkehr.“

Astoria ist ein Traumstaat. Alles geschieht dort aus Liebe, und „jeder hat einen Garten mit Glaskugeln und Hängematten“. So träumt die junge Rosa in Jura Soyfers Stück „Astoria“, das Kuttners Polit-Operette zugrunde liegt. Darin sucht eine Gräfin für ihren Grafen einen Staat als Geschenk - aber selbst Europas Wrackstaaten tuns nicht. Weshalb sich der pfiffige Landstreicher Hupka als Bürger verdingt - und etwas erschafft, das Kuttner so launig wie treffend „eine Staatsblase“ nennt: „Das kennen wir aktuellaus der Wirtschaft: Dadurch, dass genügend Leute mitmachen, kriegt es eine Realität.“ Der Fake-Staat wird zum Sehnsuchtsort, von Deutschland aus Trotz anerkannt, weil Frankreich die Anerkennung versagt. Geld gibts auch geliehen - was wäre ein Staat ohne Verschuldung? Kuttner: „Real zahlen wir heute die Schulden von gestern mit den Schulden von morgen - in was für einer Endlos-Blase sind wir gefangen?“

Weil sie schön nach Blasen aussehen, hat Kuttner für die Staatsoberen Zorb-Bälle besorgt: „Darin rollt man sonst Berge herunter.“ Nun dienen sie dem großen Auftritt: „Das Stück ist spannend, aber schwierig, es ist für kleinere Bühnnen geschrieben, eher kabarettistisch.“ Da gilt es große Bilder zu finden: „Aber ich mag Risiko, mache lieber den Seiltanz, bei dem man auch abstürzen kann.“

Bei Kuttners Revuen „Kunst ...“ und „Kollateralschlager“ gelang der Seiltanz bestens. „Ein Staat, ein guter Staat“ wird eher eine Montage, aber mit viel Musik: „Die Band entstammt der DDR-Underground und -Punkszene. Keine typische Theatermusik.“ Warum überhaupt dieses Stück? „Soyfer ist so eine Gestalt, in die man sich verlieben kann“, so Kuttner, „eine tragische Figur, er kommt aus Russland nach Wien, radikalisiert sich, schreibt mit viel Wortwitz, wird von den Nazis ins KZ gesteckt und stirbt - da steckte er gerade im ersten Drittel seines Schaffens.“ Gut die Hälfte der Texte stammt von Soyfer, sonst „kommt auch mal Hegel hinein: ,Der Staat ist die Wahrheit der sittlichen Idee.‘ Ist er das? Der Abend will keine Message erzählen, sondern solche Fragen aufwerfen.“

Premiere Sonnabend, 20. April, 19.30 Uhr, Schauspielhaus.


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