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Kultur Kunze und Lürig machen Liebe – wie sie euch gefällt
Nachrichten Kultur Kunze und Lürig machen Liebe – wie sie euch gefällt
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00:18 16.06.2018
Im Noah-Studio: (von links) Merle Hoch, Tim Müller, Heinz Rudolf Kunze, Renate Rochell und Heiner Lürig. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Heinz Rudolf Kunze feixt: „Shakespeare war im Original viel schmuddliger und obszöner als in den ersten deutschen Übersetzungen“, sagt der Musiker und Musica-Autor: „Das wurde schmahaft ausradiert“ Dann spielt sein Kompagnon, Komponist Heiner Lürig, einen schmissigen Polka ein; von „Eutern“ wird da gesungen, und der Satz fällt: „Susi hätt’ ich gern’ genommen, hab’ sie aber nicht bekommen.“ Kunze grinst: „Bei uns bekommt man den wahren Willi.“

Einblicke in das neue Kunze-Lürig-Musical nach William Shakespeare: „Wie es euch gefällt“. Es ist – nach dem „Sommernachtstraum“, „Kleider machen Liebe oder Was ihr wollt“ und „Der Sturm“ – so etwas wie der vierte Teil einer Trilogie, der freilich diesmal nicht im Gartentheater zu Herrenhausen gespielt wird, sondern im Theater am Aegi. Im August wird gespielt, den ganzen Juli über geprobt – am neuen Spielort: „Wir können von Anfang an auf die Bühne und ins Bühnenbild“, sagt Regisseurin Renate Rochell: „Das ist sehr komfortabel.“ Üblich ist, auch in Staatstheatern, dass erst in der letzten Woche vor der Premiere die eigentliche Bühne frei ist.

Das Textbuch steht sowieso, die Musik ist eingespielt und auch schon mit den Darstellern eingeübt. Lürig hat 20 Lieder komponiert, dazu ein paar Vignetten und spielt im Noah-Studio im Helmkehof in Hainholz stolz einige der Lieder vor: Pop überwiegt, aber mit Anklängen von Rock und sogar Reggae, Folk und mittelalterlichen Klängen. Schöne Kunze-Sentenzen dabei: „Shakespeare war ein Menschenkenner und innerlich von beiderlei Geschlecht“ zum Beispiel.

„Ich habe es schon öfter gesagt: Shakespeares Komödien sind wie kasperletheater – mit tiefstem Respekt vor dem Kasperletheater“, findet der Autor. Und Tim Müller, Darsteller des fiesen Oliver in dem Verwirrspiel (siehe Info), glaubt: „Heiner hat schöne Ohrwürmer geschaffen. Ich denke, dass das Publikum das Theater mit dem ein oder anderen Lied auf den Lippen verlassen wird.“

15 Schauspieler sind beteiligt. Die Hauptfigur ist – selten genug bei Shakespeare – eine Frau, die kesse Rosalind. Gespielt wird sie von einer gebürtigen Hannoveranerin, Merle Hoch, die auch schon beim „Sturm“ und dem „Sommernachtstraum beteiligt war.“

Sie freut sich: „Es ist oft speziell, was man als Frau in Musicals spielt. Eine Rolle, die so vielfältig ist, macht einfach Spaß.“ Für Kunze ist Rosalind die klügste Figur in diesem Stück und überhaupt Shakespeares stärkste Frauenfigur, die ich bislang in den Fingern hatte.“ Entsprechend abgeklärte Sätze legt er ihr in den Mund: „Frühling ist der Mann beim Werben, nach der Hochzeit Winter“, singt sie einmal: „Alle Mädchen sind der Mai, ehe sie sich trauen; zu Dezember werden sie als Ehefrauen.“

Hoch revanchiert sich mit einem Kompliment: „Ich war immer ein Kunze-Fan, ich war auch schon mit meiner Oma auf meinem Konzert. Kunze lacht: „Mit der Oma – so weit sind wir schon.“

Idealerweise ein Stück für die ganze Familie soll da im Auftrag des örtlichen Veranstalters Hannover Concerts entstehen, auch wenn es mitunter schlüpfrig wird, die Gefühle hochkochen und die Verwirrungen groß werden – im Zentrum steht schließlich eine Frau, die sich erst in der Verkleidung als Mann der Liebe ihres Objekts der Begierde versichert. „Theater ist Illusion und eine Verabredung mit dem Publikum“, sagt Regisseurin Rochell: „Das Publikum muss die Illusion mitspielen.“ Dann aber – die Prognose sei erlaubt – erleben die Zuschauer die Liebe ganz so, wie es euch gefällt.

Zeiten und Preise

Heinz Rudolf Kunzes und Heiner Lürigs Shakespeare-Musical „Wie es euch gefällt“ wird vom 2. bis 25. August im Theater am Aegi gezeigt. Karten (35,60 bis 70,95 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops.

Das Stück

Ein Wald voller Liebesbriefe – das ist der Schauplatz von William Shakespeares Komödie „Wie es euch gefällt“. Zwei junge Liebende haben sich unabhängig voneinander dorthin geflüchtet: Orlando vor seinem machthungrigen Bruder Oliver, Rosalind verbannt vom grimmigen Herzog Friedrich. Sie verkleidet sich als junger Mann „Ganymede“, trifft auf den liebestrunkenen Orlando und findet Briefe, die er an die gerichtet hat, gibt sich aber nicht zu erkennen, um ihn auf die Probe zu stellen. Der Rest sind Irrungen, Wirrungen und Happy End.

Von Stefan Gohlisch

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