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Tauschen Worte aus:  Till Steinbrenner, Lotte Lindner und Anna Rispoli (rechts).

Tauschen Worte aus: Till Steinbrenner, Lotte Lindner und Anna Rispoli (rechts).
© Christian Behrens

Theaterformen

Künstler-Trio gibt Theaterbesuchern das Wort

Hier sprechen die Theaterbesucher selbst: Das Künstler-Trio Till Steinbrenner, Lotte Lindner und Anna Rispoli bereitet für das Festival Theaterformen das Stück „Dein Wort in meinem Mund“ vor.

Hannover. Wer eine Karte für „Dein Wort in meinem Mund“ kauft, hinterlässt seine Telefonnummer. Kurz vor der Inszenierung wird man angerufen und erfährt einen Treffpunkt. Von dort wird man schließlich an einen der Aufführungsorte dieses Projekts geführt, eines der ungewöhnlichsten bei den diesjährigen Theaterformen.

Das hannoversche Künstlerduo Till Steinbrenner und Lotte Lindner haben sich das mit ihrer italienischen Kollegin Anna Rispoli ausgetüftelt. Vor sechs Jahren brachten sie bei den Theaterformen den Holländischen Expo-Pavillon zum Sprechen; nun reden die Zuschauer. Die bekommen Namensschilder und Skripte mit den Worten anderer, die sie dann dialogisch verlesen. „Dies ist keine Show, sondern eine Erfahrung“, sagt Lindner.

„Wir haben lange Interviews geführt, hatten anfangs 25 Stunden Material, das wir dann verdichtet haben“, erzählt Lindner. Ausgangspunkt aller Gespräche war das Thema Liebe, und darum geht es letztlich auch im Ganzen: „Es gibt kaum etwas Intimeres, als etwas von jemand Anderem in den Mund zu nehmen und zu fühlen“, sagt Steinbrenner. Er rechnet fest mit anfänglichem Befremden der Zuschauer.

Das soll auch so sein und beginnt schon bei den noch unbekannten Aufführungsorten: „Es sind Orte der Intimität, keine klassische öffentlichen Räume“, sagt Steinbrenner: „Ein Beispiel wäre eine Arztpraxis – das ich nenne, weil es nicht dabei ist.“ Eine Sauna ist dabei, so viel ist bekannt, damit sich die Besucher auf entsprechende Garderobe einstellen können.

Mit acht Menschen sprachen die drei Künstler, sieben Stimmen werden bei den Aufführungen zu hören sein. Und die verhandeln weit mehr als nur die Liebe zwischen zwei Partnern: „Liebe ist der Klebstoff, der eine Gesellschaft zusammenhält“, sagt Rispoli. Ihre Idee: Wer sich in den Anderen hineinfühlt, kommt ihm nahe und überwindet Grenzen – auch wenn es sich, wie bei einem der Interviewten, um einen AfD-Anhänger handelt. „Das ging mir auch so“, erzählt Steinbrenner: „Am Ende war ich immer noch nicht seiner Meinung, aber ich konnte verstehen, warum er dachte, wie er dachte.“

Miteinander ins Gespräch kommen, zur Not mit den Worten anderer – „es geht um Nähe, Intimität und Empathie“, sagt Steinbrenner: „Und Empathie ist das Gegenteil von und das Gegenmittel für Populismus.“

„Dein Wort in meinem Mund“ wird mehrmals täglich vom 15. bis 18. Juni bei den Theaterformen gezeigt. Karten kosten 18, ermäßigt neun Euro.

Von Stefan Gohlisch


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