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Kultur Krämer singt „vergnügte Elegien“
Nachrichten Kultur Krämer singt „vergnügte Elegien“
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15:04 11.03.2018
Mit alter Zeichnung: Sebastian Krämer singt im Apollo vergnügte Elegien. Quelle: Foto: Simon
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Hannover

Wahrscheinlich ist er gerade einen Drachen töten. Das pflegt er so zu tun, wenn das letzte Lied gespielt ist, singt und erklärt Sebastian Krämer im Apollo-Kino; sonst macht’s ja keiner. Es macht sowieso keiner, was Sebastian Krämer so macht. Kabarett? Chanson? Moderner Minnesang? Schindluder, Schabernack? Ja, genau.

Krämer ist sein ganz eigenes Genre. Ein Mann mit kunstvoll verdrehter Krawatte sitzt bald drei Stunden lang am Klavier, spricht und singt seltsame Moritaten von Puppen im Garten und dem armen Max, der sich nicht totgelacht hat – so gut war der Witz dann doch nicht; es hatte andere Gründe.

Spielt Berliner Stimmungslieder und Klassik-Paraphrasen, hat sich Opernsänger Yannik Spanier und Tanja-Maria Hirschmüller an Saxofon, Flöte und Klarinette eingeladen, ist virtuos in froher Melodie und makabrer Poesie. Doziert, dass sein Programm „Im Glanz der Vergeblichkeit – vergnügte Elegien“ der Romantik zuzuordnen sei und erklärt den Titel mit Szenen aus Kafkas „Prozess“ und Tarantinos „Pulp Fiction“.

Das ungefähr ist das Spektrum, in dem sich Krämer bewegt. Das muss man mögen, das darf man sich gönnen. der 42-jährige Wahl-Berliner hat zwar alle relevanten Kabarettpreise gewonnen und die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften und den Deutschen Musikautorenpreis noch dazu, doch sein Hannover-Publikum hat sich vor Jahren schon bei etwa 120 Personen eingepegelt. Es ist halt besonders.

Sätze wie „Mein Zuhause, das ist ein Gefühlskonvolut und etwa assoziativer Schutt“ hört man im Kabarett nur selten. Krämer singt ihn – als Zugabe – in „Hundert Schritte“, dieser „Schnulze“, wie er sich selber schilt. Darin durchschreitet er – festgemacht am Videothekensterben – einen ganzen Lebenslauf. Das ist, ganz Erich Kästner, „Gesang zwischen den Stühlen“, nur dass der nicht so schön sang. Nur Krämer geht Drachen töten. Der ein oder andere Dämon wird auch dabei sein.

Von Stefan Gohlisch

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