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Die wollen doch nur spielen: Adam Angst gastierten jetzt im Bei Chez Heinz.

Die wollen doch nur spielen: Adam Angst gastierten jetzt im Bei Chez Heinz.
© Handout

Konzert

Krachgeschichten mit Adam Angst

Schwer angesagt: Die Echo-nominierten Adam Angst gaben eine Klasse-Show im Bei Chez Heinz.

Hannover. Gut 400 Fans der deutschen Punkrocker Adam Angst sind ins Chez Heinz gepilgert, sie wollen eine Clubshow feiern, außer der Reihe und abseits der Festivals, mal schnell im tiefsten Spätsommer und im Herzen von Linden abgerockt.

Doch bevor die Kölner loslegen, bekommen ihre Kieler Kollegen Leoniden ihre Chance. Das ist schon reichlich umtriebig, was das Quintett veranstaltet. Ein hoher Gesang kontert Perkussions-Motive und Elektrobeats, Independent-Rock mit Wollmütze, ungewöhnliche und moderne Klänge. Das gefällt den Fans, die dynamische Band bekommt viel Beifall.

Um halb zehn erklingen dann knisternde Tinnitus-Töne durch den niedrigen Keller des Fössebads. Die Zukunft des Heinz’ ist noch immer ungeklärt, die musikalische Gegenwart ist es nicht: Sperrig und hart beginnen die fünf Musiker um Sänger und Frontmann Felix Schönfuss ihr Programm. Sein schwarzes Hemd ist schnell durchgeschwitzt. Seine enervierende und zerbrechliche Stimme schneidet sich durch den Raum.

„Ja Ja, ich weiß“, grölt das Publikum mit ihm zusammen, die Abrechnung mit der Beziehung gerät hier zum Versprechen, die Fans wissen, was sie bekommen, laut ist das Leben und ungerecht dazu. Sie skandieren „Am Ende geht es immer nur um Geld“, einige purzeln dabei über die Köpfe anderer Konzertbesucher – Crowdsurfing im ehemaligen Fahrradkeller. Solidarität für das „Heinz“ hat auch die Band aus „Köln und Drumherum“ übrig, „Heinz muss bleiben“ rufen sie mit ihren Fans, die wissen das zu schätzen.

Adam Angst ist eine Kunstfigur, geschaffen, um Spießertum und falsche Werte zu zerbröseln. Eindeutige Texte und klare Ansagen, dazu raue und verzerrte Brettgitarren, Roman Hartmann und David Frings lassen ihre Saiten krachen. Zwischentöne können Adam Angst auch, mit einem überraschenden Tangorhythmus steigen sie in die Unterwelt: „Was der Teufel sagt“ erzählt vom Zwiegespräch mit Luzifer der vielleicht kommerziellste Titel „Professoren“, spiegelt klug die Paranoia der Zeit wider.

Die vorderen Reihen rasten komplett aus, die Stimmung ist bolle, Mitklatschen und Mitsingen ist Pflicht. Schlagzeuger Johannes Koster liefert dichte und gute Grooves, die Band erinnert in manchen Momenten an Billy Talent oder At the Drive-In, Punkrock, mondän und attraktiv. „Wir werden alle sterben“, einen Song, den Adam Angst mit den Donots veröffentlicht haben, ist nicht so traurig, wie man es vermuten würde, und nach einer guten Stunde Krachgeschichten mit Anlauf, ist dann Schluss mit Angst. Das war heiß, voll und fantastisch.

Von Kai Schiering


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