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23:27 12.03.2017
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Hannover.

Eine lieblose Mono-Anlage plärrt verzerrte Fury-Songs aus einer Kneipe an der Tui-Arena. Einige felsenharte Fans schlürfen dazu ihr Bier, Vorfreude ist, was man daraus macht. Die Liebhaber in den langen Schlangen vorm Einlass freuen sich hingegen auf den besseren Hallensound. Die Euphorie ist ungebrochen, knapp 35.000 Fans an drei Tagen ist ein Rekord für die Halle an der Expo-Plaza, den wohl nur Helene Fischer im Spätsommer mit ihren fünf Konzerten knacken wird.Bei der Stadtbahn-Anreise sind einige Ortsfremde mit Stadtplan unterwegs – herzlich Willkommen, kann man helfen? Denn Fury in the Slaughterhouse sind schon lange ein nationales Thema. Das Intro, „It’s a long way to the top (if you wanna Rock ’n’ Roll)“, ist ein AC/DC-Klassiker, melancholisch gehaucht von Susanna and the Magical Orchestra. Warum so traurig? Fury-Nostalgie kann doch so schön sein, denn der Song wird mit alten Bildern und Videoclips aus ihrer 30-jährigen Kariere unterlegt.
Es ist zum Staunen. Fury in the Slaughterhouse haben schon viel erlebt: zur englischen TV-Kultmusiksendung „Top of the Pops“ waren sie eingeladen, schon sehr früh bespielten sie die Loreley-Bühne am Rhein, eine USA-Tournee wurde unter „aufschlussreich“ verbucht und hat auf jeden Fall dafür gesorgt, dass sie ihre ganze Kraft auf den heimischen Markt bündelten.
Endlich, der Vorhang fällt zum zweiten und dritten Mal am Wochenende, die neue Single „Dancing on the Frontline“ überzeugt mit Melodie und Halftime-Groove. Dann „Revelation“. Die Menge erstarrt und bewundert mit offenem Mund. Das wird die meiste Zeit so bleiben, die Fury-Fans sind mit ihren Helden gealtert, halten lieber ihre Smartphones und Bierbecher in die Höhe, als bei „Jericho“ den wilden Mann zu markieren. Donald Trump wird dabei die Perücke mit einer Trompete vom Kopf geblasen, der umstrittene Präsident wird noch einige Male auftauchen, so sehr beschäftigt er Kai Wingenfelder und Co.
Kurz nach Trump folgt die „alte Dame von Radio Orchid“, erzählt ein souveräner Frontmann – er singt gut und sicher, dirigiert die Smartphone-Schwenker in der Halle. Der Fury-Sänger hat drei Kinder und versteht eine Gesellschaft nicht, die es zulässt, dass Crack und Crystal Meth in der Schule verkauft werden, wo Gewalt unter Jugendlichen zunimmt. Und somit ist der nächste Song „für alle, die Kinder haben!“ Der Beifall gibt ihm recht.
„Things like this“ begeistert mit einem Pedal-Steel-Solo der hannoverschen Gitarren-Koryphäe Martin Huch, der die Band auf ihren Konzerten kongenial unterstützt. „Easy“ ist ein typischer Fury-Titel, „Milk & Honey“ gerät schön, Kai Wingenfelder ist dabei ausgiebig auf dem Laufsteg unterwegs. Seiun Bruder Thorsten und Christof Stein-Schneider posen derweil die totale Rockshow, sie stehen Rücken an Rücken mit ihren Gitarren, bis sie umkippen. Gero Drnek, Rainer Schumann und Christian Decker sind stark mit ihren Aufgaben beschäftigt, sorgen für Groove, Wohlklänge und einen ordentlich Wumms.
Der Akustikpart der Band auf dem Steg gerät mit drei Songs entspannt und schön: „Wollt ihr uns heiraten?“, fragt Thorsten Wingenfelder die Fans, bei seinem Lied „Then She Said“, auch so ein Fury-Klassiker, klingt er wie Mike Scott, der Sänger der Waterboys. Es folgt „Bring me Home“, das Video wurde im Death Valley gefilmt, erklärt Frontmann Kai, und bei der Mitsing-Arie, der ersten, lassen sich die Fans in die Indianer-Refrains fallen. „Haunted Head and Heart“ ist dem verstorbenen Fan Sören gewidmet. Die Band hatte bis zuletzt gehofft, ihn noch in die Arena einladen zu können. Vergebens.
Nun kommen endlich die „bestuhlten“ Zuschauer auf Trab. Die ganze Halle wedelt mit den Armen zu „Dead and Gone“, die Strahler beeindrucken mit blauen Lichtsäulen, zu jedem Song präsentiert die Band ein anderes Bühnenbild, beim Song „Bar des Boulistes“ ist es zum Beispiel die Tapete, die auch Christofs E-Gitarre schmückt. Alles in allem besteht ihr Set aus vielen Mid- und Low-Tempo-Liedern. „Are you Real?“, mit seinem Hip-Hop-Part, hat dabei den meisten Dampf. „Every Generation got it’s own Disease“ und „Won’t forget these Days“ – die Fans stehen jetzt alle und feiern mit „Kick it Out“ den besten Song an diesen zwei Abenden.
Bei „Time to Wonder“, ihrem Über-Hit, glühen die Handys der Fans, bevor sie bei der Ballade „Seconds to Fall“ wieder stummgeschaltet werden. Dieses Fury-Wochenende ist perfekt gelungen, das waren drei klasse Vorstellungen.

Kai Schiering

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