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Starke Ansichten: Marcus Wiebusch (vorne) spielt mit seiner Band Kettcar im ausverkauften Capitol.

Starke Ansichten: Marcus Wiebusch (vorne) spielt mit seiner Band Kettcar im ausverkauften Capitol.
© Katrin Kutter

Konzert

Kettcar kommen gut an

Eine deutsche Indielegende zu Gast im Capitol: Kettcar, Band um Marcus Wiebusch, gaben ein Klassekonzert mit Musik aus 16 Jahren Bandgeschichte.

Hannover. Das Kettcar startet in Schwarzweiß, fünf Mann im Gegenlicht, schwarze Kleidung zu ergrauenden Haaren, Hamburg-Impressionen als Projektion im Bühnenhintergrund. Von der „Trostbrücke Süd“ singt Marcus Wiebusch im ausverkauften Capitol, und man fährt daran entlang. Aufbruch, immer schon und immer noch.

Musikgeschichte steht da auf der Bühne: Kettcar sind ganz alte Hamburger Schule. Jetzt spielen sie sich zwei Stunden lang durch Songs aus 16 Jahren, vom „Balkon gegenüber“ von 2002 bis zum brandneuen „Auf den billigen Plätzen“, singen vom Wahren, Guten und Schönen und auch von der Liebe.

„Rettung“ läutet einen „Emo-Block“ ein, wie Wiebusch frotzelt, mit „48 Stunden“ und „Balu“, Lieder vom Suchen und Finden. Sie hätten schließlich den Ruf einer „Politpunk-Band“; da muss man dialektisch dagegenhalten. Freilich: Der Punk ist bei Kettcar stets eine Frage der Haltung und nicht des Klangs. Nur Spurenelemente davon finden sich im mit Keyboard und Westerngitarre unterlegten Indierock.

Kettcar „covern“, so nennt Wiebusch das, die Anti-Homophobie-Hymne „Der Tag wird kommen“ aus seinem Solo-Songkatalog, und sie spielen natürlich auch die Fluchtgeschichte „Sommer 89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“ vom aktuellen Album „Ich vs Wir“ – „als Erinnerung daran, dass es zutiefst menschlich ist, Löcher in den Zaun zu schneiden, um zu helfen“.

„Ich vs. Wir“, das ist programmatisch. Hier wird tatsächlich noch einmal Gemeinschaft beschworen, die der Aufrechten, ganz unverkitscht und jenseits alles Völkischen. Es ist eine Gemeinschaft der Vernunft und des Mitgefühls. Man kann die deutlichen Statements ja nicht nur den Doofen überlassen. „Ankunftshalle“ widmen sie „allen, die noch was wollen“, nämlich ein besseres Leben für alle Menschen.

„Landungsbrücken raus“ ist das Lied vor dem wirklich allerletzten Rausschmeißer. Noch einmal Hamburg-Bilder, Heimat und Fernweh. Man kann auch weitersuchen, wenn man längst angekommen ist.

Von Stefan Gohlisch


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