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Kultur Kestner-Museum zeigt „Spuren der NS-Verfolgung“
Nachrichten Kultur Kestner-Museum zeigt „Spuren der NS-Verfolgung“
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16:10 06.12.2018
Mit Stammbaum und Texttafeln: Blick in die Ausstellung „Spuren der NS-Verfolgung“. Quelle: © Christian Rose
Hannover

Zum Beispiel Klara Berliner (1897–1943): Die Tochter des hannoverschen Fabrikanten und Deutsche-Grammophon-Gründers Joseph Berliner hatte noch ein Stickbild begonnen. Kurz kurz vor der Deportation ins KZ Theresienstadt sandte sie das geliebte Stück an eine Freundin. Über Umwege gelangte es in den Fundus des Museums August Kestner. Nun ist es dort ein Exponat der Ausstellung „Spuren der NS-Verfolgung“.

„Über Herkunft und Verbleib von Kulturgütern in den Sammlungen der Stadt Hannover“ ist die mustergültig aufbereitete Schau unterschrieben. „Sie werden wieder schöne Stücke im Kestner-Museum sehen“, verspricht Direktor Thomas Schwark: „Aber in dieser Ausstellung kommt eine neue Qualität dazu: Da schiebt sich die zeitgeschichtliche Dimension neben die Schönheit der Objekte.“

Die Ausstellung, gestaltet von der Agentur Raumarbeit und gefördert von der Volksbank, wurde eröffnet am 20. Jahrestag des Washingtoner Abkommens, mit dem sich die Unterzeichner zur Provenienzforschung verpflichten: dazu, herauszufinden und zu dokumentieren, auf welche – teils unrechtmäßige – Weise Institutionen zu Sammlungsgegenständen kamen, sei es als NS-Raubkunst oder durch koloniale Großmannssucht.

Zu sehen sind ausgewählte Stücke aus dem Kestner-Museum, zum Beispiel aus der Münzsammlung Albert Davids, und der Stadtbibliothek. Mehr als 1000 Bücher erhielt diese aus dem sogenannten „Gau-Archiv“ der Nazis, oft aus dem Besitz all jener, die damals verfolgt wurden. Kommunisten,, Sozialisten, Freimaurer und Juden – sie alle konnten Opfer des Unrechtsstaats werden, angeklagt und enteignet aus dem Vorwurf des „völkischen Hochverrats“.

Die Gegenstände werden nicht nur gezeigt. Es werden auch auf umfangreichen die Lebens- und Leidensgeschichten der Vorbesitzer erzählt, und man ist geladen, an der Detektivarbeit der Provenienzs-Forscher teilzuhaben, die, teils weltweit, in Archiven, Stadtchroniken und auch Akten der NS-Finanzämter wühlten, um die Geschichte der Exponate zu ergründen. Die Aufzeichnungen über die perfide „Reichsfluchtsteuer“ und „Sühneleistung“, die nur Juden betraf, waren dabei sehr aufschlussreich.

Es ist eine Ausstellung, die man sich lesend und forschend erarbeiten muss und die dabei doch sinnlich erfahrbar ist: Die aus baulichen Gründen im Museum errichteten Gerüste sind zum Beispiel mit Maschendraht eingekleidet, geben den Blick frei auf einst beschlagnahmte Bücher und verbreiten Lageratmosphäre.

Schwark versteht die in der Ausstellung dokumentierten Erkenntnisse als Verpflichtung für die Zukunft: „Wir werden nicht verschweigen, was wir wissen.“ Und so sieht man in der Ausstellung eben nicht nur einen wunderschönen Rokoko-Schrank. Man sieht ein Stück NS-Beutekunst – gestohlen aus dem Haus Klara Berliners.

Bis 16. Juni. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Begleitprogramm flankiert. Im Frühjahr soll eine Dokumentation in Buchform erscheinen,

Von Stefan Gohlisch

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