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Kultur Kate Nash im Land des Punk
Nachrichten Kultur Kate Nash im Land des Punk
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00:07 18.09.2010
Das Piano wirft Blasen: Kate Nash kann auch anders, im Capitol wandelte sie auf Patti Smiths Spuren. Quelle: Steiner
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VON MATTHIAS HALBIG

HANNOVER. Selten hat sich eine Platte so rangeworfen: „My best Friend is you“ spricht Kate Nashs Zweite uns mit ihrem Titel an: „Du bist mein bester Freund“. Das haben ja nun schon viele Alben sein wollen, das kommt uns doch arg forsch vor, Kate! In direkter Ansprache waren Tonträger bisher bescheidener, bettelten „Please, please Me!“ oder flehten um Ankauf: „Help!“

„I just love you more!“ – eine Liebeserklärung auch zum Konzertauftakt, aber eine, die wie eine Kriegserklärung klingt. Kate Nash wühlt sich in den ersten Song des Abends, Trotz und Zorn, gequälte Schreie, die Gitarre schnauzt uns an, blafft von der Bühne. Nashs Band aus angestellten Schuhanguckern lärmt rechtschaffen. Wo ist das wohl temperierte Keyboard, das glückselige Gluckern und Glöckeln des Nash-Pops? Kommt auch.

Herzchen hat Nash noch auf der Wange von vorhin, als sie mit dem New Yorker Schulmädchentrio Supercute die Ukulele-Bubblegum-Version von Pink Floyds „Pigs“ ins Capitol zimmerte. Ja, und Nash ist durchaus die Indie-Erbin der alten Lollipop-Chartsgirls wie Phil Spectors Ronettes, die „Be my baby“ sangen oder Quincy Jones‘ Lesley Gore, das war die mit „It‘s my Party and I cry if I want to ...“ Nur eben mit detaillierterem Gefühlspark, mehr Zweifeln, Ängsten, Fantasien, Emanzipiertheit. In „Kiss my Grrrl“ verspricht sie Gewalt, sollte der Kerl besagtes Grrrrl knutschen. Im Songgedicht „Mansion Song“ rückt sie jenen Selfmade-Frauen zuleibe, die mit dröhnendem Porno-Gehabe doch nur höhere Boy Toys sind. Patti Smith lässt grüßen. Wir sind in punkischen Ländereien.

Der Sound ist verkracht, wenig wird verstanden. Dreimal muss Nash die Anti-Schwulenhasser-Botschaft von „I‘ve got a Secret“ über die Rampe treten, bevor die 1500 kapieren und die konzertübliche Zustimmung laut wird. Und wenig ist hier auch von Kates Nase-hoch-Zungenschlag zu hören, jenem Posh-English, mit dem Uns Lena zum Nash-Satelliten wurde. Dessen beraubt, ist die Stimme eher dünn. Macht aber nix. Denn Nash bewohnt ihre Songs, lebt sich in ihnen aus, vertrimmt am Ende des „Pigeon Song“ das Piano, steht auf der Tastatur. Wird gefeiert. „You really kick ass!“ ruft einer begeistert. Andere gucken entgeistert. Aber Rock‘n‘Roll braucht solche Arschtritt-Leute.

Auf der Heimfahrt liegt der beste Freund imCD-Player. Die Songs gluckern da wieder weit freundlicher als live. „Und du meiner“ antwortet man leise. Ungelogen.

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