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Kultur Kat Frankie benimmt sich schlecht
Nachrichten Kultur Kat Frankie benimmt sich schlecht
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00:17 08.02.2018
Weiß, was sie will: Kat Frankie. Quelle: Sabrina Theissen
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Hannover

Eine der umtriebigsten Berliner Musikerinnen ist Australierin: Kat Frankie (39) wendet sich auf ihrem neuen Album „Bad Behaviour“ endgültig vom Singer/Songwritertum ab, mit dem sie bekannt wurde und wendet sich der Elektronik und fein arrangierten Pop-Songs zu. Ein Gespräch über schlechtes Benehmen und schöne Klänge.

Was ist denn schlechtes Benehmen?

Für mich geht es in dem Lied um Beziehungen. Und das schlechte Benehmen darin meint, wenn Menschen manipulativ werden, wenn sie zu viel nehmen, ohne genug zurückzugeben, egoistisch sind: Sie spielen ihr Spiel, zeigen aber nicht all ihre Karten.

Ist das Verhältnis des Publikums – und vor allem des kritischen Publikums – zum Musiker nicht ein ähnliches: Der Künstler gibt alles, und der Rezipient hat es leicht, herumzunörgeln?

Ja, hoffentlich. Zumindest, was das schlechte Benehmen angeht (lacht).

Warum dieser Titel für das Album?

Es ist ein Album, das ein bisschen anders ist, was die Lieder, die Produktion und auch die Haltung angeht. Früher habe ich viele melancholische, fast traurige Lieder geschrieben. Jetzt wollte ich ein bisschen mehr Spaß haben. Um das zu erreichen, muss ich einen Scheiß drauf geben – I don’t give a Fuck. Diese Egal-Haltung nenne ich „Bad Behaviour“. Aber es geht natürlich auch um Beziehungen, um Leute, die ich kenne, und mein eigenes schlechtes Benehmen.

Gibt es typisch deutsches Verhalten, das Sie als Australierin als schlechtes Benehmen empfinden – und umgekehrt?

Oh Gott. Das muss ich überlegen. Ich glaube, es gibt keine großen Unterschiede.

Das Album ist sehr weit entfernt vom klassischen Singer/Songwritertum, durch das Sie bekannt geworden sind. Es ist bei aller Verspieltheit ein sehr elegantes, reduziertes Album. Wie ist es entstanden?

Für mich ist es wichtig, dass Melodie und Worte im selben Moment sich zusammenfügen. Das macht für mich einen Song aus: Musik in Worten. Beide müssen das selbe transportieren; darum entstehen sie bei mir auch gleichzeitig. Es hat lange gedauert, das Album zu machen, weil ich viele andere Projekte hatte. Den Großteil der Instrumente habe ich selber eingespielt.

Inklusive der Chöre, die Sie selber per Loop-Station eingesungen haben?

Ja und nein. Es gibt auch ein paar Lieder, bei denen Freunde mitgesungen haben.

Und bei „Back to Life“ singen Sie mit Männerstimme?

Ja. Ich habe dieses Lied zuerst mit meiner normalen Stimme aufgenommen und fand das ein bisschen komisch. Also habe ich mit einem Vokaleffekt gespielt, der meine Stimme tiefer klingen ließ, und plötzlich fand ich es geil. Ich klinge wie eine Drag Queen. Es macht so viel Spaß – auch es live zu spielen: Die Leute flippen aus.

Wie ist es für Sie, live zu spielen, nachdem Sie so lange alleine an einem Album gearbeitet haben?

Studiosessions machen am meisten Spaß, denn dort fängt alles an. Konzerte sind aber auch toll, da durch das Publikum eine Spannung entsteht. Und bei der nächsten Tour habe ich eine große Band dabei und werde versuchen, nicht so viele Instrumente zu spielen. Ich möchte vor allem singen und mich bewegen; das ist mein Plan für dieses Jahr. Ich will eine große Show machen.

Also zurück zu dem, was Sie ursprünglich immer machen wollten? Sie haben in vielen Interviews erzählt, dass Sie eher zufällig dazu gekommen sind, mit Gitarre in Kneipen Lieder zu singen.

Ja.

Gilt dafür jetzt auch: I don’t give a Fuck?

Vielleicht (lacht). Ich bin ein bisschen älter geworden. Natürlich bin ich immer noch eine ernsthafte Musikerin. Aber früher habe ich mich, glaube ich, manchmal zu ernst genommen. Heute ist es mir egal, was andere Leute denken, mehr denn je. No more Fucks!

Hat das etwas mit Ihrem anstehenden 40. Geburtstag zu tun?

Oh, nein. Lassen Sie uns nicht darüber reden! (lacht) Ich habe zuletzt viel mit anderen Kollegen gearbeitet, auch älteren. Deren Selbstbewusstsein hat mich beeinflusst.

Einer dieser älteren Musiker ist Olli Schulz, in dessen Band Sie auf der „Feelings aus der Asche“-Tour spielten.

Ja, gutes Beispiel: Er macht, was er will, hat überhaupt keinen Filter und ist ein kreativer Mensch. Das zu sehen, hat mir gutgetan.

Er veröffentlicht sein neues Album wie Sie am 2. Februar ...

... eigentlich sollten wir auch nicht über ihn reden. Er ist schließlich mein Konkurrent. (lacht)

Gibt es einen kleinen internen Wettbewerb?

Nein. Ich bin auch auf seiner Platte. Olli hat mich immer unterstützt. Und was er macht, ist total anders.

War es befreiend, dieses Album zu machen?

Ja. ich bin erleichtert, dass es fertig ist und herauskommt. Jetzt kann ich endlich wieder mit meiner Band auf Tour gehen und an die nächste Platte denken.

Und was denken Sie da so?

Oh, das wird interessant: vielleicht noch eine neue Richtung.

Nun geht aber erst einmal die Tour los. Sie spielen im Pavillon, wo Sie auch mit Olli Schulz spielten. Haben Sie eine Erinnerung daran?

Ich erinnere mich dunkel. Es war so seltsam. Der Raum hat wenig Charakter. Was bedeutet: Man kann seinen eigenen Charakter mitbringen, und das werden wir bestimmt machen.

Was können wir erwarten?

Große Band, große Show, eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Drama und Spaß.

„Bad Behaviour“ (Grönland) ist bereits erschienen. Am 21. März stellt Kat Frankie das Album im Pavillon vor.

Von Stefan Gohlisch

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