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Kultur Karl May unter Lindens freiem Himmel
Nachrichten Kultur Karl May unter Lindens freiem Himmel
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16:14 11.08.2017
Wahrheit und Dichtung: Karl May (Hans-Holger Jörgens, links) mit Buffalo Bill. Quelle: Gudrun Kiel
Hannover

„Deine Geschichten sind Mode, in 20 Jahren sind sie passé!“ So gewaltig irrte Karl Mays erste Frau Emma. Schließlich werden die gesammelten Werke des gebürtigen Sachsen auch heute noch verschlungen. Zu seinem 175. Geburtstag hat ihm das Moa-Theater unter dem Titel „Der Weltläufer“ ein persönliches Stück gewidmet.

Die Amateuerdarsteller spielen im Lindener Von Alten-Garten, unter freiem Himmel, mit reduziertem Bühnenbild und bei einsetzender Dämmerung, Sie erzählen nicht nur ausgesprochen humorvoll die Geschichten um Winnetou und Old Shatterhand, sondern auch das ambivalente Leben Karl Mays selbst. Der hatte lange suggeriert, er sei selbst im Wilden Westen gewesen sein und habe die beschriebenen Abenteuer selbst erlebt haben. Diese Hochstapelei ist zentrales Motiv des Stücks.

Geschickt führt Regisseur Rüdiger Jantzen die Fäden aus Fiktion und Biografie zusammen, die Übergänge zwischen den Erzählsträngen sind fließend und sehr witzig. Dabei hilft Hans-Holger Jörgens’ augenzwinkernde Darstellung Karl Mays. Als ein Zeitungsverleger ihn auffliegen lassen will, sucht er zielsicher die Schuld bei anderen: „Die Verleger haben doch immer gesagt, dass ich auf Reisen bin!“

Gegen Ende spitzt sich das Stück dann auf den inneren Konflikt Mays zu: Sind seine Geschichten über Old Shatterhand so gelungen, weil er selbst gern so wäre? Shatterhand steht schließlich für Tugenden wie Mut, Tapferkeit und Barmherzigkeit. In seiner schlimmsten Krise sagt May sich: „Ich kann das nur überstehen, wenn ich jemand anderer werde, als ich bin.“

Karten, Preise und mehr Info gibt es hier.

Von Janik Marx

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