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Willkommen im Fight Club Dachs: Yves Dudziak (links), Lena Kussmann und Jonas Vietzke haben sich eingeigelt.

Willkommen im Fight Club Dachs: Yves Dudziak (links), Lena Kussmann und Jonas Vietzke haben sich eingeigelt.
© Theater an der Glocksee

Theater

Kafkas „Bau“ und die Pegida

Eine Kafka-Erzählung als Metapher auf Pegida & Co.: Regisseurin Milena Fischer gelingt im Theater an der Glocksee eine eindrucksvolle Inszenierung.

Hannover. Der Boden ist mit Rindenmulch ausgelegt. Ventilatoren verteilen den Duft von Wald und Erde im Theater an der Glocksee. Mittendrin steht ein seltsames Wesen und schaut selbstzufrieden in die Runde: „Hört ihr das?“, fragt es: „Das schönste an meinem Bau ist seine Stille.“ Ein Einsiedler und seine Idylle. Doch die ist trügerisch – wir sind hier schließlich bei Kafka und seiner Erzählung „Der Bau“.

Regisseurin Milena Fischer hat sich des Stoffes angenommen, hat ihn behutsam mit dumpfdeutschen Verhältnissen abgeglichen und schafft nun mit „Der Bau oder Die Gründung des Fight Club Dachs“ eine Metapher der Abschottung – der Dachs ist nicht allein. Man sitzt mit ihm im Bau, sieht, wie nur er Geräusche hört, sieht seine steigende Paranoia vor dem Fremden, das zu ihm eindringen könnte.

Es ist auch nicht nur ein Dachs, es sind gleich drei. Der erste (Jonas Vietzke) ist noch ganz gemütlich, dumpf, brav, abgeschottet. Der zweite (Yves Dudziak) ist schon von Wut und Angst vor dem da draußen geprägt und schwingt Parolen. Und schließlich Dachs drei, eine Dächsin (Lena Kussmann), eine Demagogin, deren Gift langsam träufelt. Der Erste will noch ein bisschen von der Welt sehen und klettert durchs Fenster. „Ich bin im Freien“, ruft er. „Du wirst sterben“, antworten die anderen. Freiheit, nicht zuletzt die des Denkens, als Bedrohung.

Vor dem Publikum, in den Reihen, davor, dahinter, darüber spielen sie; diese Dachse sind immerzu auf Achse. Die Beklemmung wächst. „Kein schöner Land in dieser Zeit als hier das unsre weit und breit“, singen sie, singt auch das Publikum mit ihnen, bis es schal wird auf der Zunge. Heimat kann nicht nur Geborgenheit sein, sondern auch Waffe. Eine Kampfsportgruppe wird gegründet, man weiß ja nie. Was bräsig war, wird brandgefährlich.

Die Übertragung von Kafka zu Pegida & Co. funktioniert aufs Beklemmendste. Politiker-Reden, Reden der Identitären Bewegung, die zitiert werden, hätte es gar nicht gebraucht. Kafkas Worte bedürfen keiner Merkel, keines Trumps und erst recht keiner Paula Winterfeldt.

Die Kampfzone wird ausgeweitet. Irgendetwas ist da draußen; es wird schon etwas Bedrohliches sein. Mit jedem Schlag, mit jeder Runde, mit jedem Gong wird die selbstgemachte Angst größer. Bis zur Selbstzerstörung geht das so. Da ist sie dann wieder, die Stille – Grabesstille. Gefolgt von hochverdientem Applaus.

Mehr Informationen hier.

Von Stefan Gohlisch


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