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Kultur Kafkas Bau liegt in der Glocksee
Nachrichten Kultur Kafkas Bau liegt in der Glocksee
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00:16 07.08.2017
DACHSE UNTER SICH: Das Werbemotiv von „Der Bau“.
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Hannover

Das Wesen, gehen wir mal davon aus: ein Dachs, hat es sich gemütlich eingerichtet in seinem Bau – „und er scheint wohlgelungen“, wie der Dichter schreibt. Doch dann hört es seltsame Geräusche. Eindringlinge stehen vor der Tür, so scheint es. Panik macht sich breit. Es könnte einem ja etwas weggenommen werden. Von dieser Angst erzählt Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“, von ihr und ihren aktuellen Bezügen erzählt auch die Bühnenfassung „Der Bau oder Die Gründung des ,Fight Club Dachs’“ im Theater an der Glocksee.

Den Stoff erarbeitet hat die freie Regisseurin Milena Fischer, zuvor Regieassistentin am Staatsschauspiel, wo sie zuletzt das apokalyptische Stück „Die lächerliche Finsternis“ realisierte. Eine Reise ins Herz der Finsternis, in urdeutsche Befindlichkeit ist nun auch ihr Bau. „Ich habe die Erzählung vor einem, eineinhalb Jahren entdeckt. Ich sah große Parallelen zur politischen Situation in Deutschland“, erzählt sie.

Kafka als Visionär der Angst vor der Überfremdung – und ein Dachs, der zurückschlägt. „Der Dachs macht sich stark“, erzählt Fischer von ihrer Inszenierung. Und er hat Komplizen. Gleich drei Schauspieler spielen den Dachs. Das Publikum sitzt mit im Bau, ist involviert, teilt klaustrophobische Enge und Ängste – da bezieht sich Fischer nicht nur im Titel auf David Finchers Film „Fight Club“ über bis zum Hass frustrierten Wohlstandsmenschen.

„Für mich ist das Bild einer Gruppenbewegung, dieser Welle, die über unser Land spült“, so Fischer. Generell interessiere – wie auch die Macher des Theater an der Glocksee – ein Theater aktueller Bezüge, aber nicht in Form von Diskurs- oder Dokumentationstheater. „Theatrale Magie“ nennt Fischer das, auch in Ermangelung anderer Umschreibungen: „Es braucht einen politischen Funken.“ Der Bau ist eröffnet.

Von Stefan Gohlisch

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