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© Arne Dedert

NP Interview

Jussi Adler-Olsen: „Kein so guter Schreiber“

„Verheißung: Der Grenzenlose“, der sechste Roman des dänischen Erfolgsautor Jussi Adler-Olsen (64) über sein schräges Ermittler-Paar Carl Mørck und Assad, ist erschienen und eroberte prompt Platz eins der Bücher-Charts. Im Interview spricht Olsen über Aberglauben, Erfolg und seine Krimi-Helden.

Hannover. Im sechsten Fall von Carl Mørck und seinem Dezernat Q geht es nicht nur um ein totes Mädchen auf Bornholm, sondern auch um Sonnenanbeter und andere Heilsversprechen. Sind Sie eigentlich abergläubisch?

Wer ist das nicht? Ich klopfe auf Holz. Ich habe es nicht so gern, wenn schwarze Katzen vor meinem Auto die Straße überqueren. Und im Flugzeug bete ich zu Gott. Glaube ich jedenfalls. Ich weiß nicht, ob er tatsächlich bei mir ist - aber es ist ein Ritual, und es fühlt sich notwendig an. Und außerdem: Ich habe immer auf Holz geklopft, und Sie sehen, es ist alles gut gegangen.

Für das Buch haben Sie gleich eine neue Heilslehre erfunden.

Ja, eine Art neuer Religion mit einer Art neuem Propheten. Heutzutage gerät man leicht in diese esoterische Bewegung, weil die Leute ein so übergroßes Sicherheitsbedürfnis haben. Das ist ein Thema, das man einerseits mit Respekt behandeln sollte, über das man sich aber auch ein bisschen lustig machen kann.

Mørck und seine Kollegen erscheinen manchmal wie Archäologen, die eine Zeitschicht nach der nächsten offenlegen. Was ist so interessant an diesen alten Fällen?

Die ungelösten Rätsel. Was ist mit meinem besten Freund passiert? Was ist mit dem Ring, den ich letzten Sommer verloren habe? Jeder kennt solche Warums. Fragen, die sich ein Leben lang nicht lösen lassen. Außerdem gibt es dem Schreiber enorme Freiheit. So eine Abteilung, die alte Fälle löst, kann ausschweifen in größere Regionen, bis ins Ausland. Sie kann abtauchen in die Vergangenheit. Und ich kann Sachen erfinden. Das ist eine einzige große Zeitschleuder.

Sind Sie Nostalgiker?

Und auch ein bisschen sentimental. Ich sammle Dinge aus meiner Vergangenheit. Ich habe ein Zimmer, wo ich diese Sachen horte. Winzige Schuhe aus der Zeit, als ich ein Baby war. Meine Pfadfinder-Uniform, da war ich sechs. Zeitschriften, Zeitungen. Und die Tagebücher meiner Mutter.

Die Fälle, die Sie sich ausdenken, sind ziemlich komplex. Haben Sie eine Wand, auf die Sie Ihre Konzepte pinnen?

Das wäre praktisch, aber sowas mache ich nie. Ich sammle Post-its mit kleinen Ideen. Oben stehen die Namen Carl, Assad und Rose - und darunter kleben die Zettel mit Sätzen, die mir für sie einfallen.

Und dann schreiben Sie los?

Wenn Sie mich fragen, ob ich bestimmte Rituale habe, dann: ja. Ich brauche Musik zum Schreiben, Keith Jarrett oder Morricone. Und ich brauche die volle Konzentration. Deshalb benutze ich zum Schreiben eine alte Software. Keinen Cursor auf dem Bildschirm herumwandern zu sehen, das fokussiert mich total. Ich sehe kaum die Worte, ich schreibe aus meiner Erinnerung. Und stelle dann immer mal fest: Du bist gar kein so guter Schreiber, aber du bist ein richtig guter Lektor.

Haben Sie Angst vor der Zeit nach Carl Mørck?

Überhaupt nicht, ich freue mich darauf. Mir war damals nicht klar, dass mich Carl Mørck 13 Jahre meines Lebens beschäftigen würde. Und plötzlich bin ich 65, und ich möchte nicht, dass auf meinem Grabstein steht: „Dezernat-Q-Erfinder“.

Vier Fälle stehen noch aus - aber wann haben Sie Zeit zu schreiben?

Habe ich nicht. Ich schreibe, wann immer sich eine Lücke auftut. Das kann eine halbe Stunde sein oder zehn. Ich brauche vielleicht ein halbes Jahr, um so ein Buch zu schreiben. Aber viel ist vorher Denkarbeit. Und das kann ich am besten morgens, gleich nach dem Aufwachen. Da ist man so frisch und klar, genau richtig, um ein Rätsel zu entwerfen. Sonnabend zum Beispiel stand mir der Fall Nummer sieben ganz klar vor Augen. Oder letzten Sommer. Ich saß in meinem Sommerhaus in Schweden und grübelte über die letzten Sätze von Fall zehn. Das war ein Heureka.

Sie wissen also schon, wie es für Carl Mørck ausgeht?

Oja, das weiß ich. Aber ich werde es nicht verraten.


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